Weihnachten im Spätsommer

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proske tonstudioDie Generalsekretärin der Deutschen Seemannsmission, Heike Proske, im Tonstudio

Weihnachten im Spätsommer

Gefühlt ist der Sommer noch nicht ganz vorbei, doch in einem Tonstudio bei Bremen wird bereits Weihnachtsgottesdienst gefeiert

Bremen (epd). Hölzerne Krippenfiguren, ein Schokoladenweihnachtsmann, Glöckchen und ein pausbäckiger Engel - vor Heike Proske auf dem Tisch des Tonstudios liegen die Klassiker der Weihnachtsdekoration. Auf dem Kamin verbreiten Kerzen eine festliche Stimmung. "Und nun endlich ist Heiligabend", verkündet die Generalsekretärin der Deutschen Seemannsmission in das Mikrofon. Dabei trägt sie ein T-Shirt, denn draußen ist es noch warm.

"Diese Dinge brauche ich, um im Spätsommer in Weihnachtsstimmung zu kommen", kommentiert die leitende evangelische Theologin die weihnachtlichen Utensilien. In einem Tonstudio in Stuhr bei Bremen spricht sie die Predigt für die Weihnachts-CD der Seemannsmission ein. Schon seit mehr als 20 Jahren versendet der Verein einen Weihnachtsgottesdienst auf Tonträgern in die ganze Welt. Er soll Seeleuten das Fest fern von Heimat und Familie erleichtern.

Eigentlich kritisiert die evangelische Kirche den alljährlichen Frühstart ins Weihnachtsgeschäft, doch in diesem speziellen Fall geht es nicht anders. "Wir bekommen spätestens ab Mitte November Anfragen", sagt Proske. Die Seeleute seien über Wochen auf dem Schiff unterwegs, ohne einen Hafen anzusteuern. Deshalb müssten die Aufnahmen rechtzeitig bei ihnen eintreffen - und entsprechend früh beginnen.

 

Die Predigt schreibt die Theologin bereits im Juli. "Zu der Jahreszeit schwitzen in Deutschland alle und sind genervt, wenn ich zur Einstimmung zwei oder drei Tage lang Weihnachtslieder höre", verrät Proske. Besonders wichtig ist den Seeleuten, dass die bekannte Weihnachtsgeschichte nach dem Lukas-Evangelium vorkommt. "Ich habe mal ein paar Jahre was anderes gemacht, aber da kam Protest auf."

Proske liest ihren Text in einem kleinen Raum, der kaum an ein Aufnahmestudio erinnert. Statt eierpappenförmigem Schaumstoff hängen an den Wänden längliche Rahmen, die mit Glasschotterstein und Bambus gefüllt sind. Die Fensterwand, die den Raum nach außen abschirmt, ist in schrägem Winkel montiert. Tontechniker Friedrich Thein will damit eine optimale Akustik erzielen.

Er und seine Frau Dorothea sitzen inmitten bunt blinkender Lämpchen, vielen Metern Kabeln und unzähligen Reglern, Knöpfen und Schaltern in einem anderen Raum und nehmen auf. "Erst war es komisch, sich schon so früh im Jahr mit Weihnachten zu beschäftigen", erzählt Dorothea Thein. Inzwischen findet sie es gut. "Man kommt von den Weihnachtsklischees herunter und konzentriert sich mehr auf das Wesentliche der Weihnachtsgeschichte. Als Jesus geboren wurde, war es schließlich auch nicht kalt draußen."

Nach den Sprachaufnahmen suchen Proske und Dorothea Thein gemeinsam Weihnachtslieder für den Gottesdienst aus. "Das ist gar nicht so einfach", weiß Proske. Für viele Musikstücke müsse man teure Lizenzen zahlen, für die der Seemannsmission das Geld fehlte. "Deshalb wiederholen sich oft Lieder."

Wenn rund tausend CDs in etwa vier Wochen gebrannt sind, werden sie an die 33 Stationen der Seemannsmission im In- und Ausland verteilt. In der Adventszeit verschenken 700 Haupt- und Ehrenamtliche die Aufnahmen bei Bordbesuchen und in Seemannsclubs an die Besatzungen. An Bord werden sie dann Heiligabend vor dem Festessen in den Messen der Schiffe gehört.

"Den Seeleuten ist der Gottesdienst sehr wichtig", berichtet Proske. "Sie hören ihn oft sogar mehrfach." Manche Seemänner bringen ihren Familien die CD des vergangenen Jahres mit, damit sie sie an Weihnachten einschalten können. "Der Seemann hört die neue Version dann an Bord, seine Familie zu Hause die alte. So fühlt er sich seiner Heimat näher." (0056/30.09.13)

Von Katharina Hamel (epd)