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Seemannsdiakon: Handelsschifffahrt umfährt Flüchtlingsrouten

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DSM Alexandria

Seemannsdiakon: Handelsschifffahrt umfährt Flüchtlingsrouten

Bremen (epd). Die Handelsschifffahrt auf dem Mittelmeer hat nach Beobachtungen der Deutschen Seemannsmission in großen Teilen ihren Kurs geändert, um Flüchtlingsrouten zu umfahren. "Die Reedereien nehmen die Kosten von längeren Routen in Kauf, um sich nicht dem Vorwurf der indirekten Schlepper-Hilfe auszusetzen", sagte Seemannsdiakon Markus Schildhauer dem Evangelischen Pressedienst (epd). Vor allem Italien, das die Seenotrettung kriminalisiere, trage dazu bei, dass die Reedereien Begegnungen mit Flüchtlingsschiffen vermieden.

Einen weiteren Grund sieht Schildhauer in Erfahrungen in der Vergangenheit. Eine Reihe von Frachtschiffen habe versucht Flüchtlinge aufzunehmen. Aber Schiffsbesatzungen, die versuchten, die ausgelaugten Menschen an Bord zu holen, hätten erleben müssen, wie die Menschen keine Kraft mehr hatten, die hohen Schiffswände zu erklimmen, wie Boote kenterten, ohne dass die Seemänner Hilfe leisten konnten. "Ich habe sehr traumatisierte Seeleute erlebt", sagte Schildhauer, der unter anderem Schiffsbesatzungen im ägyptischen Alexandria betreut.

Laut Schildhauer erlebten Seemänner die schlimmsten Unglücke mit Geflüchteten auf See in der Hochphase der Flüchtlingsbewegungen 2015 und 2016. In dieser Zeit seien die Handelsschiffe mit der praktischen Rettung von Flüchtlingen weitaus belasteter gewesen als heute. 2015 retteten Handelsschiffe laut Schildhauer 50.000 Menschen aus dem Mittelmeer, 2016 waren es 60.000. "Heute haben sich die Flüchtlingsrouten geändert", sagte er. Aber bei den Seeleuten schwinge immer noch die Angst mit, auf ein Flüchtlingsboot zu treffen.

Dem Seerecht nach sind Schiffe bei der Entdeckung von Menschen in Seenot verpflichtet, die Personen aufzunehmen. "Kein Schiff darf abdrehen", unterstrich Schildhauer. Aber mitunter sei es schwierig, von einem 25 Meter hohen Containerschiff Schiffbrüchige überhaupt zu entdecken. Zudem seien die Frachter nicht für hundert oder mehr Flüchtlinge, sondern nur für Mannschaften von etwa 20 Mann ausgestattet. Meist gäbe es nicht genug Wasser und sanitäre Einrichtungen an Bord, oft noch nicht mal genug Fläche, um so viele Menschen aufzunehmen.

Dass auch Teams der privaten Seenotrettungsschiffe unter der Situation litten, kann sich Schildhauer gut vorstellen. "Seenotrettung geht in der Regel nicht ohne Tote ab", sagte er. Gerade wenn Crews Menschenleben retten wollten und dann mitansehen müssten, wie Flüchtlinge ertrinken, könne das für die Besatzung hoch belastend sein. Häufig hätten die Schiffe deshalb bereits von Anfang an Psychologen mit an Bord.

Schildhauer leitet das Seemannsheim der Deutschen Seemannsmission in Alexandria. Die Diakone der evangelischen Organisation besuchen Mannschaften auf den Schiffen und sprechen mit Seeleuten direkt in den Häfen, die nicht selten unter Isolation in den multinationalen Mannschaften und der Trennung von Partnern und Familien leiden

epd-Gespräch: Christina Denz / epd
  
 

Seenotrettung ist ein Gebot der Menschlichkeit

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DSM Altona - DSM Duckdalben

altona schwimmweste

Foto: Die Schwimmweste in der Seemannsmission Altona erinnert an eine Rettungsaktion aus dem Jahr 2006.

"Seenotrettung ist ein Gebot der Menschlichkeit"

Wer darf Flüchtende auf dem Mittelmeer in Sicherheit bringen? Während Politiker um Zuständigkeit streiten, zeigt die Hamburger Seemannsmission Haltung und fordert Freiheit für Seenotretter.

In der Seemannsmission Altona steht eine Rettungsweste auf der Fensterbank. „The Baywatch Crew“ steht darauf, dazu eine lange Reihe von Namen: die Besatzung der MT Seadevil, die im Juni 2006 rund zwanzig Flüchtende vor dem Ertrinken aus dem Mittelmeer rettete. „Die Weste steht symbolisch für den einen Menschen, der nicht lebend gerettet werden konnte“, erzählt Mona Rentsch, die ihren Bundesfreiwilligendienst in der Seemannsmission leistet.

Nach wie vor ertrinken Menschen auf der Flucht auf dem Meer. Doch heute müssen Retter mit Strafen rechnen – wie Pia Klemp, die Kapitänin des Schiffs Iuventa, die zurzeit auf ihren Prozess wartet.

Gesamten Artikel von Hinz & Kunzt lesen (Externer Link)
Text: A. Trautwein, Foto: ATW
 

Haifischbar-Theke geht ans Emder Seemannsheim

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DSM Emdenemden theke haifischbar

Haifischbar-Theke geht ans Emder Seemannsheim

Die Entscheidung ist gefallen: Das Emder Seemannsheim bekommt die Theke aus der legendären Haifischbar. Doch ob alles passt, ist noch nicht ganz klar.

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewoba hat am Montag dem Emder Seemannsheim den Zuschlag für die geschichtsträchtige Theke der ehemaligen Emder Haifischbar gegeben. Das bestätigte Steffen Schellhorn von der Gewoba der OZ.

Das Haus der Ostfriesischen Evangelischen Seemannsmission im Emder Hafen gehörte zu insgesamt 28 Bewerbern, die sich für den massiven Tresen interessiert und deswegen bei der Wohnungsbaugesellschaft gemeldet hatten.

Gesamten Artikel auf oz-online.de lesen (Externer Link)
Foto: Heyken / Der schiffsförmige Tresen aus der Haifischbar nimmt Kurs auf das Seemannsheim
 
 

Seeleute machen unser Leben reich

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luebeck sds 19 fehrsDeutsche Seemannsmission in Lübeck lädt zum maritimen Gottesdienst mit Bischöfin Fehrs

„Seeleute machen unser Leben reich“

„Blick frei! Auf den Hafen und auf die Welt der Seeleute“ – so lautet das Motto des diesjährigen Sea Sunday der Deutschen Seemannsmission in Lübeck. Der maritime Gottesdienst im Rahmen der Travemünder Woche findet am Sonntag, 21. Juli, um 11 Uhr im Brügmanngarten in Travemünde statt. Die Predigt hält Bischöfin Kirsten Fehrs, die in diesem Jahr die Stimme der Deutschen Seemannsmission ist. Christoph Ernst, Generalsekretär der Deutschen Seemannsmission, überbringt ein Grußwort. Mit dabei sind der „Shantychor Möwenschiet“ und der Posaunenchor der Ev.-Luth. Kirchengemeinden Scharbeutz / Gleschendorf.

90 Prozent der Güter werden auf den Meeren dieser Welt transportiert – auf der Ostsee und anderswo. Dafür sind die Seeleute oft monatelang unterwegs - fern von Heimat, Familie und Freunden. Oft arbeiten sie viele Stunden in der Woche unter hohen Anforderungen und großem Druck. Ist der Hafen erreicht, ist die Zeit meist knapp. Die Waren müssen gelöscht, neue an Bord genommen werden. Liegezeiten kosten Geld und so geht es dann schnell weiter, wieder auf See. „Seeleute sind es, die unser Leben reich machen; schließlich werden 90 Prozent der Waren in unseren Regalen per Schiff transportiert. Und dennoch sind die Seeleute kaum im Blick. Sie selbst bleiben auf den Meeren und abseits in den Häfen oft unsichtbar“, so Bischöfin Kirsten Fehrs. Der martime Gottesdienst richtet den Blick auf diese verborgene Welt. Er lässt Seeleute zu Wort kommen. Sie berichten von der Verantwortung für Ladung, Schiff und Crew, von kräftezehrender Arbeit, manchen Stunden der Einsamkeit, aber auch von der Möglichkeit, die Familie in der Heimat zu unterstützen.

luebeck sds 19 gangwayEin Landgang in den Häfen ist oft nicht möglich. Und wenn doch, ist die Zeit knapp. „So freuen sich die Seeleute über den Besuch der Deutschen Seemannsmission in Lübeck“, weiß Kirsten Fehrs. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen auf die Schiffe, sind da für Gespräche – sei es einen Plausch, sei es etwas, das schon lange auf der Seele lastet. Sie bringen ein Stück Außenwelt mit in Form von Telefonkarten, die den so wichtigen Kontakt zur Familie ermöglichen, oder in Form von Zeitungen in der Landessprache. Der Seemannsclub am Lehmannkai 2, dessen Räume von der Reederei Lehmann kostenlos zur Verfügung gestellt werden, bietet mit freiem WLAN, Billard-Tisch und Sofaecke die Möglichkeit, vom Leben an Bord abzuschalten. „Support of seafarers‘ dignity“ – so lautet das Motto der Deutschen Seemannsmission. Unabhängig von der Religion, der Hautfarbe und der Nationalität setzt sie sich für die Würde der Seeleute ein. Dazu ist sie im Hafen gut vernetzt.

All dies nimmt der Sea Sunday in den Blick. Er findet im Rahmen des „Interkulturellen Sommers“ der Bürgerakademie Lübeck statt.

Fotohinweise:
Foto Bischöfin: Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche); Foto: Marcelo Hernandez © Nordkirche
Foto DSM-HL Sea Sunday: Freude bei der Crew über den Besuch der Seemannsmission. Foto: DSM HL
  

  
 

lass fallen anker - Ausgabe 2019 ist online

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lfa 19 01Über uns

"lass fallen anker" - Ausgabe 2019 online.

Zum lesen klicken Sie bitte hier.

„Fairer Handel beginnt mit der Erkenntnis, dass auf Schiffen Menschen leben.“ Denn viele Menschen haben zwar eine vage Vorstellung von 400 Meter langen Containerschiffen, nicht aber davon, was an Bord eigentlich passiert, wenn bis zu 20 000 Container von einem Ende der Welt zum anderen bewegt werden. Geschweige denn davon, wie es am Ende eines Schiffslebens aussieht und wie es nach ihrem Ableben mit den gigantischen Stahlkolossen weitergeht. Darüber berichten wir in diesem Heft.

Für viele Menschen ist es heute selbstverständlich, beim Einkaufen auf „Fair Trade“-Siegel zu achten. Aber „Fair Trade“ heißt bislang vor allem „Fair Erzeuger“, auch wenn wir heute mit etlichen Reedern zusammenarbeiten und der Verband Deutscher Reeder unsere Arbeit fördert. Mit dieser neuen Ausgabe von „Lass fallen Anker“ möchten wir Sie einmal mehr neugierig machen auf unsere Arbeit. Denn: „Fair übers Meer“ – das geht uns alle an!

  

 

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