Interview mit Markus Wichmann

Leiter Seafarers‘ Lounge Deutsche Seemannsmission

Herr Wichmann, die Kreuzfahrtsaision in Hamburg ist mittlerweile beendet. Schauen Sie auf ein gutes Jahr zurück

MW: Dieses Jahr war, wie bereits die letzten Jahre, ein Jahr der Steigerung. So schafften wir in unseren 3 Lounges im Hamburger Hafen über 200 Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 30.000 Mitgliedern der Crews zu betreuen. Neben der Verbesserung der Kommunikation mit zu Hause konnten wir vor Allem den Service im Bereich der Versorgung der Seeleute in unmittelbarer Nähe des Schiffes verbessern.

Warum ist die unmittelbare Versorgung in der Nähe des Schiffes so wichtig?

MW: Viele Seeleute dürfen den unmittelbaren Bereich des Schiffes nicht verlassen. Meist ist es die kurze Zeit, die ihnen in einem Hafen zur Verfügung stehen. Daher ist es notwendig, dass wir, quasi im Schatten der Schiffe, Möglichkeiten schaffen, an denen die Seeleute – und das sind alle Mitarbeiter auf einem Kreuzfahrtschiff – Versorgung und Kommunikationsmöglichkeiten bekommen. Ein schneller Anruf zu Hause, nach mehrmonatiger Abwesenheit kurz einmal die Kinder und die Ehefrau sprechen, das ist der Wunsch vieler Seeleute.
Aber auch der Einkauf, selbst von Schokolade zu günstigen Preisen ist für sie wichtig. Zwar können sie auf vielen Schiffen an Bord auch etwas einkaufen, doch zu den gleichen Preisen, wie die Gäste.

Was sind die größten Probleme der Crews, der Seeleute?

MW: Sie müssen sich es so vorstellen. An Bord eines Kreuzfahrtschiffes mit rund 2.500 Gästen leben und arbeiten 900 Mitarbeiter. In einem der letzten Schiffe waren es 89 Nationen. Allein diese Mischung stellt oft Probleme dar. Denken Sie nur an Russen und Ukrainer.
Seeleute dürfen laut Seeschifffahrtsabeitsrechtsgesetz (was für ein Wort) 78 Stunden in der Woche an 7 Tagen arbeiten. Meist sind es aber weit über 350 Stunden im Monat. Das bedeutet, dass die Zeit zum Schlafen und Erholen oft nur sehr kurz ist und entsprechend ausgebrannt sind die Seeleute dann oft nach kurzer Zeit an Bord.
Auch die Einsamkeit – fernab der Heimat, der Familie ist ein großes Problem. Viele Seeleute sehen ihre Kinder nur während ihres Heimaturlaubes, der maximal 1-2 Monate dauert, bevor es auf das nächste Schiff geht. Auch in Zeiten der modernen Kommunikation übers Internet ist es für die Seeleute schwierig Kontakt mit zu Hause zu erhalten. An Bord des Schiffes ist man Teil der Maschine und oft ist der Umgang mit Gästen nicht einfach.

Wie ist denn die Versorgung und Unterkunft an Bord eines Kreuzfahrtschiffes für die Crews?

MW: Für die Gäste an Bord eines Schiffes wird alles getan um möglichst einen schönen Urlaub bieten zu können. Das hat zur Folge, dass die Crews in den Bereich unterhalb der Wasserlinie verdrängt werden. Einzelkabinen gibt es nur für die höheren Offiziere, ansonsten Sammelunterkünfte und auf manchen Schiffen, meist im amerikanischen Raum, nicht mal ein eigenes Bett. Die Folge daraus ist, dass es für die Mitarbeiter nirgends eine Rückzugsmöglichkeit gibt. Die Versorgung der Crews hat sich zwar verbessert, jedoch ist sie in vielen Fällen immer noch nicht zufriedenstellend.
In unseren Lounges sind eines der meistverkauftesten Produkte Schweinekrustenchips. Auf die Frage, ob die Seeleute dies so gerne essen, kam die Antwort, dass man diese sich unter den täglich gebotenen Reis mische, damit er wenigstens nach etwas schmecke. Dies steht im krassen Widerspruch zu den üppigen Buffets für den Gästebereich. Doch ist den Crews streng verboten, selbst die Reste davon zu essen.

Welche Arbeit macht da die Deutsche Seemannsmission?

MW: In unseren 3 Lounges im Hamburger Hafen versuchen wir so weit wie möglich die Crews der Kreuzfahrtschiffe zu betreuen. Sie kostenlos nach Hause telefonieren zu lassen und ihnen einfach mal einen Platz bieten zu können, wo sie nicht ständig den Gast anlächeln müssen. Selbstverständlich betreuen wir mit unseren 3 haupt- und über 20 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Seeleute auch in persönlichen Fragen.

Welche Art von persönlichen Gesprächen gibt es denn?

MW: In vielen Gesprächen geht es um die Einsamkeit. Zwar sind die Seeleute an Bord in einer großen Gruppe eingebunden, doch empfinden sich Viele als Zahnrad im Getriebe. Teil der großen Maschine, die das Schiff am Laufen hält. Selten gibt es richtige Freundschaften an Bord, man muss ja zusammenarbeiten und ist voneinander abhängig. Da tauscht man selten persönliche Probleme.
Manchmal stellen sich auch größere Probleme. Trennung von der Familie, Todesfälle in der Familie, Geldnot und immer wieder auch der Umgang im mit anderen Nationen innerhalb der Crew. Oft hilft zuhören, ein kleines Gebet, ein Schulterklopfen, aber manchmal muss auch mehr gemacht werden.

Was sind denn die Voraussetzungen für ihre Arbeit

MW: Eine wichtige Voraussetzung ist schon mal, dass uns die Räumlichkeiten durch den Hamburger Hafen an den Kreuzfahrtterminals zur Verfügung gestellt werden. Weiterhin wichtig sind die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ohne die wir die Arbeit garnicht leisten können, denn Personal kostet auch Geld. Einen Teil dieses Geldes bekommen wir aus Mitteln der Evangelischen Kirche, einen anderen Teil aus Zuschüssen durch den Hamburger Senat. Ohne diese Mittel wäre eine Arbeit überhaupt nicht möglich. Es tut sich gut an, dass der Hamburger Senat hier Mittel verwendet – es ist ja auch eine Visitenkarte der Stadt für die Kreuzschifffahrt.

Was ist denn ihr größter Wunsch für die Zukunft?

MW: Das ist eine schwierige Frage. Ich will es versuchen in einem Satz zusammen zu fassen. Wenn ausreichende Geldmittel sowohl an Bord, wie auch an Land zur Verfügung stehen würden, könnten die Seeleute eine weitaus bessere Arbeit für die Gäste an Bord machen und wir als Seemannsmission auch in den nächsten Jahren eine gute und wichtige Arbeit für die Seeleute garantieren.
   

 

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