Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
Heb 11,1
Besinnen wir uns auf ein Beispiel, das wohl alle Seeleute kennen: Dichte Nebelschwaden zie hen über das Meer, die Küste ist außer Sicht, man sieht die Hand vor Augen nicht. In diesen Augenblicken, in denen das Gewohnte aus dem Sichtfeld schwindet, und man ohne moderne Hilfsmittel mehr oder weniger orientierungslos auf dem weiten Meer treibt, können existenzielle Fragen aufkommen: Bin ich auf dem richtigen Kurs? Werde ich sicher heimkehren?
Wie auf einer Seefahrt, so gibt es auch im Leben immer wieder Situationen, die uns nebulös erscheinen – wir verstehen sie nicht, wir laufen Gefahr, die Orientierung zu verlieren, weil wir nicht sehen können, wohin wir fahren. In solchen Momenten helfen uns eben der Glaube und eben die Hoffnung, die in der Monatslosung be schrieben werden. Der in eine Nebelbank geratene Seemann weiß, dass es die rettende Küste gibt. Er zweifelt nicht an ihrer Existenz, nur weil er sie nicht mehr sieht. Von diesem wissenden „Nicht zweifeln“ spricht die Bibel.
Glaube und Hoffnung – das sind keine vagen Begriffe. Der Glaube, der hier gemeint ist, ist kein banges Warten auf den Moment, in dem sich der Nebel lichtet und wieder Land in Sicht kommt. Vielmehr ist davon die Rede, dass „der Glaube eine feste Zuversicht“ ist. Ein solcher Glaube gründet letztlich in der Überzeugung, dass wireinen guten und gnädigen Gott haben, der unse ren Lebenskurs auch dann mit Bestimmtheit kennt und sicher steuert, wenn uns Nebel die Sicht ver sperrt. Gleichwohl vertrauen wir nicht nur auf Gottes Führung, sondern auch auf unser Wissen und Können sowie auf die Fähigkeiten unserer Mitmenschen. Die Schifffahrt – wie das Leben – funktioniert nur dann, wenn man an sich selbst und an sein Team glaubt.
Auch der 2. Ökumenische Kirchentag, der in diesem Mai in München stattfindet, steht unter dem Motto „Damit ihr Hoffnung habt“ (1. Petr 1,21). Es ist ein Fest, an dem Christen gemeinsam Zeugnis davon ablegen, dass sie auf Gott als ihren Lotsen aus dem Nebelmeer des Lebens hoffen. Und diese Hoffnung basiert nicht auf Ängsten und Zweifeln, sondern hat die „feste Zuversicht“ zum Fundament.
Prof. Dr. Dr. Eckhard Nagel

