lindemannHamburger Seeschifffahrtsexperte  Dr. Dierk Lindemann ausgezeichnet

Bremen (epd). Der Hamburger Seeschifffahrts-Experte Dierk Lindemann (69) ist für sein Engagement zum Wohl der weltweit etwa 1,2 Millionen Seeleute ausgezeichnet worden. Er sei der Vater des 2006 verabschiedeten internationalen Seearbeitsübereinkommens der UN-Arbeitsorganisation ILO, sagte am Sonnabend bei einem Festakt in Bremen die Präsidentin der evangelischen Deutschen Seemannsmission, Margrit Wetzel. Er habe in den Verhandlungen eine führende Rolle eingenommen, betonte Wetzel und übergab ihm den undotierten Ehrenpreis der Seemannsmission.

Lindemann arbeitete lange Zeit beim Verband Deutscher Reeder, zuletzt als Geschäftsführer. Auf internationaler Bühne setzte er sich jahrelang für das Übereinkommen ein, das teilweise bis zu 90 Jahre alte internationale Konventionen und Empfehlungen bündelt. Für die Seeleute sei es ein Grundwertekatalog und beschreibe Mindeststandards für die Arbeit an Bord und auf den Meeren, bekräftigte Wetzel.

Die "Maritime Labour Convention" (MLC) wurde 2006 einstimmig von der ILO verabschiedet. Die Charta tritt in Kraft, wenn sie von 30 Ländern ratifiziert wurde, die mindestens ein Drittel der Welttonnage in der Handelsschifffahrt repräsentieren. Laut ILO wurde sie bisher von 20 Ländern ratifiziert, zuletzt von Luxemburg und vom Inselstaat Antigua und Barbuda, unter dessen Billigflagge viele deutsche Schiffe unterwegs sind. Der deutsche Bundestag hat noch nicht ratifiziert. Der Abstimmungsprozess sei schwierig und berühre mindestens sechs Ministerien, sagte Lindemann dem epd.

Der Experte rechnet trotzdem damit, dass innerhalb der nächsten sechs Monate die notwendige Zahl ratifizierter Verträge erreicht ist. Die Tonnage ist längst überschritten. "Dann gelten die Regelungen automatisch bei Schiffsinspektionen auf der ganzen Welt", verdeutlichte Lindemann.

Im Seearbeitsübereinkommen geht es um grundlegende Rechte wie Arbeitszeiten, Urlaub und Ausbildung. Auch Bestimmungen zur Sicherheit, zur Freizeit, zur Religionsausübung und zu sozialen Hilfen gehören dazu. Mit der Konvention werden in vielen Ländern der Welt erstmals überhaupt Mindeststandards für die Arbeit auf See eingeführt.

Der Verleihung ging ein Festgottesdienst zum 125-jährigen Bestehen der Deutschen Seemannsmission voraus. Ihre Wurzeln hat das weltweit tätige evangelische Werk mit ihrer Zentrale in Bremen im diakonischen "Komitee für kirchliche Versorgung im Ausland", das am 29. September 1886 gegründet wurde. Seither kämpfe die Seemannsmission gegen die Isolation an Bord, predigte während des Gottesdienstes der Oldenburger Landesbischof Jan Janssen. Sie sei Stimme der Seeleute und setze sich in nüchterner Nächstenliebe für ihre Würde ein, hieß es.

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© Fotos: Gerhard Kling


 

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