Festmachen - November 2011

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Gut ist der Herr, eine feste Burg am Tag der Not. Er kennt alle, die Schutz suchen bei ihm .

Nahum 1,7

festmachen_11_2011Das Wort für den November, für den dunkelsten Herbstmonat auf der nördlichen Halbkugel. Grau, düster, unwirtlich sind die meisten Tage. Wort und Jahreszeit erinnern mich an Zeilen aus dem Gedicht „Herbsttag“ von Rainer Maria Rilke: „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben.“

Menschen haben eine Sehnsucht nach Geborgen­ heit, nach einem Zuhause, nach anderen, zu denen sie gehören und bei denen sie unbedingt willkommen sind. Im November empfinde ich das besonders: an einem kalten Novemberabend möchte ich im Warmen sitzen und bei freund­ lichen Mitmenschen.

Seeleute werden diese Sehnsucht nach Schutz und Geborgenheit ganz generell kennen: Lange sind sie fern von Familie und Heimat. Der Zwang zur optimalen Nutzung der Kapazitäten erhöht den Druck auf die Mitarbeitenden ständig. Und als Mensch kann man sich klein und verloren vorkommen zwischen den gewaltigen Industrie­ anlagen zu Wasser und im Hafen. Jedenfalls ging es mir so, als ich vor kurzem die Hafenanlagen in Bremerhaven besichtigte und mich plötzlich etwas erschreckt wiederfand zwischen den krakenhaften Transportfahrzeugen für die Container.

Geborgenheit und Schutz – sie sind zu finden bei Gott. Das ist es, was das Bibelwort uns zusagt: Mehr noch als ein einfaches Haus – eine Burg
am Tag der Not ist Gott. Zuverlässige und starke Hilfe gegen innere und äußere Bedrohung. Und wohltuende und heilsame Hilfe zugleich. Denn zweierlei wird über diesen Gott gesagt: Einmal: er ist gut. Er meint es gut mit uns. Und dann: er kennt uns. Kein entfernter, abstrakter Gott überm Sternenzelt also. Sondern ein zugewandter und menschenfreundlicher Gott, der alle kennt, die bei ihm Schutz suchen. Auch in der Anonymität der Industriegesellschaft gilt das: Gott kennt einen jeden mit Namen – wie ein guter Freund. In der Taufe ist es Christen ein für allemal zugesprochen worden: Ich habe dich bei deinem Namen geru­ fen, du bist mein.

Schutz und Geborgenheit bei Gott. Eine Einladung zu dem Gott ist das übrigens, von dem es wenige Verse zuvor ganz ausdrücklich heißt, dass er Herr ist auch über die Naturkräfte, mit denen Seeleute sich herumschlagen müssen: Sturm und Wolken, Wasser und Meer. Der Gott, der Herr ist über die kosmischen Mächte, er ist zugleich jedem Einzel­ nen freundlich zugewandt, kennt uns und ist in Christus an unserer Seite.

So kann das Vertrauen auf ihn inneren Halt und innere Geborgenheit geben, Schutz und Wärme. Wohl uns, die wir in diesem Haus Zuflucht fin­ den, das längst schon für uns gebaut ist.

Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy, Stade



 

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