Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.
Psalm 147,3
Mit dem Fahrrad wollten sie von Nord nach Süd Afrika durchqueren. Die Wüste lag schon hinter ihnen. Viel Kraft hatten sie dort gelassen. Dann forderte der tropische Regenwald seinen Tribut. Erschöpft und krank waren die beiden jungen Menschen, als sie im Seemannsheim in Douala/ Kamerun mit letzter Kraft ankamen. Medizinische Hilfe war dringend geboten. Im Krankenhaus war schnell klar, dass ihr Leben nur durch eine sofortige Bluttransfusion gerettet werden könnte. Einer der beiden hatte die Blutgruppe B. Dafür gab es damals dort keine Blutkonserven. Ein kamerunischer Arzt, der in Moskau studiert hatte, erinnerte sich, dass diese Blutgruppe in Russland häufiger vorkommt. Kurz entschlossen fuhr ich zu einem russischen Schiff, sprach mit dem Kapitän und eine knappe Stunde später war ich mit sechs Seeleuten als Blutspender in der Klinik. Das Leben der Abenteurer war gerettet, auch wenn noch viele andere Aktivitäten von Nöten waren.
Lange danach besuchten mich ihre Eltern in Deutschland. Sie wollten für alle Hilfe danken, die ihre Kinder erfahren hatten. Auch die Eltern hatten in dieser Zeit viel durchgemacht und mit bangem Herzen auf Heilung gehofft. Im Gespräch erzählten wir die Stationen der Hilfe nach. Da kam viel zusammen. Wenig davon war geplant, manches hatte sich so ergeben, eins war aus dem anderen gefolgt. Sollten wir es Zufall nennen oder Schicksal? Das konnten wir nicht. Denn es waren Menschen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Jedem von ihnen galt es zu danken. Doch im Rückblick auf die ganze Geschichte konnten und wollten wir nichts anderes, als Gott zu danken, der zerbrochene Herzen heilt und Wunden verbindet. Der gemeinsame Dank hatte uns ermutigt und getröstet.
Seit der Zeit weiß ich, welch große Kraft aus dem Danken kommt. Mitten im Alltag, wo es oft zerbrechlich zugeht und Verletzungen durch Worte und Taten vorkommen, ist es eine große Hilfe, die Augen und Ohren für alles offen zu halten, was uns dennoch gut tut und hilft. Im Dank kommen wir Gott ganz nahe und können seine heilende Kraft aufnehmen und in unserem Leben wirken lassen. Und dann können wir diese Kraft auch an andere weitergeben. Irgendwann werden sie es auf ihre Weise weiter erzählen, was die Worte des Psalms ihnen sagen und wie sie Gottes Hilfe und Heilung erfahren haben.
Pfarrer Dr. Jürgen Thiesbonenkamp, Vorstandsvorsitzender der Kindernothilfe, Duisburg

