krayenkamp aussenSeemannsmission Hamburg-Krayenkamp

125 Jahre Seemannsmission: Ankerplatz für Seeleute am Hamburger Michel

Direkt unterm Michel liegt der Ankerplatz der Mitmenschlichkeit. 83 Zimmer für Seeleute aus aller Welt stellt der schlichte Nachkriegsbau der Hamburger Seemannsmission bereit. Am Mittwoch feiert sie ihr 125-jähriges Bestehen.

Hamburg brauche dringend ein "Hülfskommitee" für Seeleute, verkündete der evangelische Pastor Julius Jungclaußen vor 125 Jahren. Es gelte, die Seeleute vor "drohenden Gefahren zu schützen und für ihr geistliches und leibliches Wohl zu sorgen". So gründete er am 15. Juni 1891 die Seemannsmission in Hamburg.

Gefeiert wird das Jubiläum am Mittwoch (15. Juni, 12.30 Uhr) im Seemannsheim Krayenkamp am Michel. Prominente Gäste sind Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD), Bischöfin Kirsten Fehrs und der Sänger Jochen Wiegand.
Schutzraum für Seeleute

krayenkamp alte seemannDas erste Seemannsheim Deutschlands wurde 1887 auf St. Pauli in einem gemieteten Haus am Pinnasberg eingerichtet. Vier Jahre später folgte die Gründung des "Komitees für Deutsche Seemannsmission". Ziel war auch, die Seeleute vor Wucher bei der Arbeitsvermittlung zu schützen. Zu dieser Zeit warteten täglich etwa 5.000 Seeleute auf Heuer, wie es in der Chronik der Seemannsmission heißt. Jährlich wurden 50.000 bis 60.000 Seeleute an- und abgemustert.

1906 konnte ein Seemannsheim mit 60 Schlafplätzen am Wolfgangsweg in Hafennähe bezogen werden. Es wurde im 2. Weltkrieg 1943 stark beschädigt und diente später als Seefahrer-Altenheim.

 

Gäste aus mehr als 80 Ländern weltweit

Ihr heutiges Domizil am Krayenkamp - direkt neben der St. Michaeliskirche - bezog die Seemannsmission am 12. September 1959. An den Gästen lässt sich der Wandel der Seeschifffahrt ablesen. 1970 wurden etwa 44.000 Seeleute auf deutschen Schiffen beschäftigt, die Zahl der Schiffe erreichte den Höchststand. Betreut wurden am Krayenkamp seinerzeit fast nur deutsche Seeleute und einige Österreicher.

Heute stammen sie aus mehr als 80 Ländern wie den Philippinen, Kapverden, Ghana, Südafrika und der Schweiz. Auch die Mitarbeiter kommen aus sieben Ländern. "Ein kleiner Multi-Kulti-Kosmos", sagt Inka Peschke, Geschäftsführerin des Seemannsheims.
Seemannsheim eine "Heimat auf Zeit"

83 Einzel- und Doppelzimmer hat das schlichte Gästehaus. Einige Seeleute bleiben nur eine Nacht, andere leben schon Jahre hier. Vor allem für ältere Seeleute sei es heutzutage schwierig anzuheuern, weiß Inka Peschke. Für sie sei das Seemannsheim eine "Heimat auf Zeit". Viele ausländische Seeleute warten hier auf ihre Rente oder Sozialleistungen. Künftig will das Haus auch einige Flüchtlinge aufnehmen.

Neben dem Haus am Michel gibt es noch die Seemannsmission am Fischmarkt, die 1898 im damals selbstständigen Altona gegründet wurde, den Seemannsclub "Duckdalben" in Waltershof, die katholische Seemannsmission Stella Maris in Steinwerder und die skandinavischen Seemannskirchen nahe der Landungsbrücken.
Betten auch für Touristen

Neben den Einnahmen durch die Gäste lebt das Haus auch von der Schiffsabgabe, die von den Reedern gezahlt wird. Für Extras ist das Haus auf Spenden angewiesen. Kirchensteuern fließen nicht. Seit 1996 werden daher einige der Betten auch an Touristen vermietet, die einen etwas höheren Preis zahlen.

Die Seeleute sollen aber auch künftig im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Das Seemannsheim bietet Beratungsgespräche an, hilft bei Behördengängen und nimmt Seemannskoffer in Verwahrung. Es sei hier wie in "einer großen Familie", sagt Inka Peschke. "Hier kennt jeder jeden."



 

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Lukas 13,30 (Lutherbibel)

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Die Kernaussage der Losung ist im Original und als Redensart in abgewandelter Form so in die Alltagssprache eingeflossen, dass der theologische Bezug häufig nicht mehr bekannt sein dürfte.

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