Langweilig? Bis jetzt nicht!

Auch so ein Problem – Ortsnamen und Abkürzungen. Früher gab es im Hafen Schuppen mit entsprechend ansteigenden Nummern und die Schiffe lagen an den Schuppen. Da jeder Container sein eigener Schuppen ist, braucht man die Schuppen nicht mehr, sondern nur noch jede Menge Stellplatz. Dadurch hat jetzt jeder Liegeplatz seinen eindeutigen Namen. GHG 6) ist nicht GTH 7) oder gar NHG 8) , Hobum 9) ist nicht Holborn 10) und Hansahafen 11) natürlich auch nicht Hansa Port 12) oder gar Hansa Terminal 13) . Selbst wenn sich der Seemannsdiakon all das merken kann, wer Seeleuten Bier verkauft, hat selber schuld, wenn darunter die Aussprache noch mehr leidet. Bitte sucht doch mal auf dem Hafenplan nach „Ballaluda Wuff“14)! Meine Arbeit als Seemannsdiakon in einem Club mit Seeleuten aus der ganzen Welt bedeutet auch ein tagtägliches geradezu babylonisches Sprachengewirr.

Es fängt damit an, am Telefon verstehen zu müssen, von welchem Schiff oder Liegeplatz Gäste abgeholt werden möchten. Als erstes werden deshalb jeden Tag alphabe-tische, etwa eineinhalb Seiten lange Listen der „Hafenlieger“ ausgedruckt. Wenn klar ist wie das Schiff heißt, findet man schnell den Liegeplatz und es kann sofort ein Bus losfahren um die Maaten abzuholen. Aber was tun, wenn Seeleute von der „Losi Livel“ anrufen, aber außer der „Lal Bahadur Shastri“ und der „Laura“ kein weiterer Name mit »L« anfängt? Dann kommt der Zivi zum VD 1) und sagt: „Ich finde das Schiff nicht!“ Als erfahrener VD weiß man natürlich, dass man manche Schiffe, die mit »L« anfangen, erst auf der zweiten Seite unter dem chinesischen »L« findet. Da steht sie doch – die „Rosi River“ liegt am TCT 2) . Also nicht zum CTA 3) , UCT 4) , SWT 5) fahren sondern zum Tollerort Container Terminal. Da stehen dann 12 bis 18 chinesische Seeleute und möchten mit einem VW Bus zum Club fahren. In China anscheinend »no ploblem«, hier verbietet es die StVO.

1) Verantwortlicher Diensthabender
blocks_image_3_1
Diakon Jan Oltmanns - Leiter des Seemannsclubs "Duckdalben" in Hamburg
2) Tollerort Container Terminal
3) Container Terminal Altenwerder
4) Unikai Container Terminal
5) Süd-West Terminal
6) Getreideheber Gesellschaft
7) Getreideterminal Hamburg
8) Neuhof Hafen Gesellschaft
9) Harburger Oelwerke Brinkmann und Mergell
10) Holborn Europa Raffinerie
11) Am Kleinen Grasbrock
12) In Waltershof
13) Schuppen 80-81
14) Bartels und Lüders Werft
 

Sind die Seemannen dann erst mal sicher angekommen, entsprechend begrüßt mit einem freundlichen „Nie Hau“, „Salam alaikum“, „Anjong Hasseo“, „Buonas Dias“, „Daag“, „Hey“, „Hei“, „Hallo“, „Good Afternoon“, oder schlicht Moin. Darauf antwortet der moderne Seemann von den Philippinen:“Moin, wo geit di datt?“ Er hatte aufgrund einer schweren Verletzung lange Zeit im Emdener Krankenhaus verbringen müssen. Immer häufiger bitten die Seeleute mit einem mehr oder weniger deutlichen „Teilivonkatt?“ um eine Telefonkarte. Fragt man dann zurück wohin denn telefoniert werden soll – schließlich ist das kostentechnisch eine nicht unerhebliche Frage – sieht man sofort ein, was für eine geografische Null man ist. Die klangvollen Namen von Kleinstädten und Dörfern – bevorzugt im asiatischen Raum – verraten nicht unbedingt das Land in dem sich diese befinden. Das mit den Ländern ist in den letzten Jahren auch nicht einfacher geworden. Birma/Burma nennt sich Union Myanmar, Montenegro ist kein Vorort von Monte Carlo sondern ein Teil von (Rest)Jugoslawien und steht in der Liste unter »Y«. White Russia findet man nun unter »B« wie Belo-Russland...Und so geht es lustig weiter. Andere Wünsche werden laut, Cola?, Koffie? und Beer?, das ist einfach, aber was ist ein „open close“(Flensburger Bier) Auch ein „lether suitcase“ muß nicht zwangsläufig ein Lederkoffer sein – ein Briefumschlag tut’s manchmal auch. Stundenlang versucht ein Filippino verzweifelt an „Porkskin“ zu gelangen, der Ausdruck in der Heimatsprache Tagalog „Citzeron“, ist den ClubmitarbeiterInnen jedoch geläufiger...

Etwas länger brauchten wir um einen Ägypter zufrieden zu stellen. Er wollte unbedingt einen „Eckschen Fitjo“ mit „Orond Schiriwawa“, gezeigt bekommen. Er konnte dann aber zwischen „Terminator 1“ und „Terminator 2“ wählen und der Mann war zufrieden. Die tolle Lautmalerei stand natürlich für ein Action Video mit Arnold Schwarzenegger.

Ein bisschen Detektiv zu sein ist in unserem Job nicht schlecht, so erreichte mich ein Brief aus Pakistan. Ein Offizier hatte vor Monaten mit seinem Schiff in Hamburg gelegen und seiner Frau die stolze Summe von 2.000,- US$ überwiesen. Leider war das Geld nicht angekommen und er bat deshalb um unsere Hilfe. Unterlagen oder Belege...hatte er nicht. Wo sein Schiff gelegen hatte...war ihm leider entfallen. Wie die Bank hieß...er konnte sich nicht mehr erinnern. Eins stand jedoch fest, schräg gegenüber von der Bank war eine Post und in der Bank war links von der Tür die Kasse! Gott – und den Leuten von „Falk-Plan“ – sei Dank wurden seinerzeit noch die

Postämter im Stadtplan verzeichnet. Außerdem heben wir alles mögliche auf, so auch die alten Hafenlieger-Listen. Somit fand ich zumindest sein Schiff, das bei Wallmann am Reiherstieg gelegen hatte. In der direkten Umgebung gab es vier Postämter. Nur bei einem befand sich eine Filiale der „Haspa“ in der Nähe. Wenn man diese betritt, sind schräg links von der Tür die Kassen. So – einige Stunden und mehrere Telefonate später konnte geklärt werden, dass der Mann einen Zahlendreher in seiner Kontonummer hatte und sein Geld auf einem Sammelkonto für unanbringliche Zahlungen lag. Etwa zehn Tage später kam ein Anruf aus Pakistan, das Geld war angekommen und dieser „Fall“ war abgeschlossen.

Mehr Sinologe als Detektiv muß man sein wenn ein Seemann sich verlaufen hat und sein Schiff nicht wieder findet. Der einzige Anhaltspunkt war der Straßenname. Der chinesische Seemann wußte ihn ganz genau: „Green-Man-Sand“. Leider ist der einzige Staßenname in Hamburg in dem „Green“ vorkommt, der Hugh-Green-Weg in Lokstedt und da liegen verhältnismäßig selten Schiffe. Es war also notwendig sich in einen Chinesen zu versetzen und zu überlegen wo der Fehler liegt. Die chinesische Schrift kennt keine Buchstaben, er hatte also Wortteile zu chinesische Schriftzeichen umgesetzt und sich diese dann gemerkt. Dummerweise hatte er bei der Rückübertragung ins englische einen kleinen Fehler gemacht. Er verwechselte die Farbe. Sein Schiff lag am Kalikai und der befindet sich an einer Straße mit dem schönen Namen Blumensand (Blue-men-sand). Bei der Seemannsmission reicht es nicht nur die Seeleute zu verstehen, oftmals mußte ich auch für einen Seemann einstehen.

Z.B. für den burmesichen Seemann Tan war beim reinigen der Luke auf See vor der französischen Küste mit einer merkwürdigen Leiterkonstruktion zusammengebrochen und war etliche Meter abgestützt. Trotz mehrerer Knochenbrüche und einer schweren Gehirnerschütterung, war er nicht sofort per Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht worden, sondern mußte bis Hamburg auf medizinische Versorgung warten. Hier wurde er mit Blaulicht ins Krankenhaus St.Georg gebracht und mehrfach operiert. Erstaunlich schnell war er wieder zu Kräften gekommen und seine Reederei wollte ihn so schnell wie möglich nach Burma zurück verfrachten. Die weitere ärztliche Versorgung würde dort passieren. Tan bat mich vorsichtig um Hilfe, da er diesen Punkt aus eigener Erfahrung anders sah, als seine Reederei. Er zeigte mir ein Schreiben des Arztes aus dem klar hervorging, Tan brauchte hier in Deutschland weitere Nachbehandlungen.Nun ist es den Seeleuten aus Burma ausdrücklich vertraglich verboten, sich an die internationale Seeleutegewerkschaft ITF (Intern. Trans-portworkers Federation) zu wenden. Unser Freund und Inspektor der ITF Ulf Christiansen durfte darum nicht eingeschaltet werden. Es war also an mir, mich entschieden für seinen Verbleib einzusetzen. Beim griechischen Kapitän biss ich zunächst auf Granit. Er wollte Tan so schnell wie möglich los sein, schließlich hatte er dessen Leben auf’s Spiel gesetzt und ihn nicht fachgerecht medizinisch versorgen lassen. Wenn Tan erstmal zurück in Burma wäre, konnte er sicher sein, dass dieser Vorgang kein Nachspiel haben würde. Ich war deshalb bei Tan, als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Der hiesige Agent hatte einen mir bekannten Fahrer einer Seeleutetransportfirma beauftragt, ihn zum Flughafen zu bringen. Da ich dem Fahrer ein Arztschreiben gab, aus dem eindeutig hervorging, dass Tan weitere medi-zinische Versorgung brauchte, weigerte er sich den Seemann zum Flughafen zu fahren. Der Agent schickte ihn daraufhin mit Tan zu einem Arzt, der, wie ich selbst hören konnte, tele-fonisch vom Argenten die Diagnose abrief, und Tan daraufhin reisefähig schrieb. Dieser Vorgang machte mich sehr wütend, ich rief den Argenten an und teilte ihm mit, dass ich den Vorgang mitbekommen hatte und drohte ihm, diese ganze Aktion in die Presse zu bringen und ihn selbst vor Gericht. Für den Flug war es inzwischen zu spät geworden, Tans Platz in der Maschine blieb leer. Damit war der größte Druck aus der Angelegenheit, Tan kam auf Kosten der Reederei im Seemannsheim unter, wurde weiter gut medizinisch versorgt und nach einigen weiteren Wochen war er tatsächlich soweit wieder, dass er fröhlich nach Hause fliegen konnte.

Schon häufig wurde ich ermuntert ein Buch über meine Erlebnisse im DUCKDALBEN zu schreiben.Vielleicht später einmal, denn im Moment macht es mir mehr Spaß diese Arbeit zu tun.

Diakon Jan Oltmanns



 

Auch so können Sie unsere Arbeit unterstützen ... für jeden Klick erhalten wir einige Cents.

Unsere Bankverbindung

Spenden-Konto
Deutsche Seemannsmission e.V.
IBAN: DE70 5206 0410 0006 4058 86
BIC: GENODEF1EK1
Evangelische Bank eG, Kiel

Machine-Translation into:

Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!

Lukas 10,5 (Einheitsübersetzung)

festmachen 2017 02 thumb200

Die Flagge dippen – so grüßen sich Schiffe auf See. Mit dem kurzen Nieder- und Aufholen der Flagge wird gegenseitig Respekt und friedliche Absicht signalisiert. Zur Zeit Jesu grüßten sich Menschen, indem sie sich wechselseitig Frieden wünschten: Friede sei mit Euch! Wir begegnen uns in Frieden und wir wünschen einander Gottes umfassenden Segen.

weiterlesen

DSM bei Facebook

 con info  Unsere Arbeit unterstützen:

ekd_logo2

 

VDR

logo-header

 

AIS REALTIME DATA for Northern Ports 
  bmfsfj_2
          bmas      

Evangelische Kirche
in Deutschland

Verband
Deutscher Reeder

Seafarers Trust

Vesseltracker.com

Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend

Bundesmininsterium für
Arbeit und Soziales

 Informiert per RSS-Feed

DSM RSS Feed - News im Abo

      

  

 Unsere Homepage im Überblick