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Liebe Seeleute,
wie Lukas die Umstände der Geburt Jesu beschreibt, ist ein Renner der Literatur. Kaum eine andere Geschichte wird jedes Jahr so gerne und so oft gelesen und gehört. Weltweit und in nahezu allen Sprachen der Erde klingt die Geschichte in diesen Tagen um den Erdball. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob die Erzählung zu Hause gehört wird oder an Bord, im Autoradio oder als Musik wie im Weihnachtsoratorium von J.S. Bach. Ob im Süden unter Palmen oder im Swimming-Pool oder im Norden in der Dunkelheit und bei großer Kälte - die Weihnachtsgeschichte hat an jedem Ort ihren Platz im Leben der Menschen.
Das hat seinen Grund darin, dass die Botschaft weltweit verstanden wird: Gott kommt als Mensch auf die Erde. Er wird einer von uns. Selbst die Religionen, die sich schwer tun mit diesem Gottesverständnis (weil Gott in ihrem Glauben unnahbar und groß und fern ist), können trotzdem mit einstimmen in die Botschaft der Engel: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. In allen Religionen gilt der Friede unter den Menschen und der Friede zwischen Gott und Mensch als ein höchstes Gut, für das es sich lohnt zu arbeiten.
Gott wird Mensch - das klingt in unseren Ohren unbegreiflich, und so werden die Umstände dieser Geburt auch unbegreiflich geschildert. Maria bekommt als Jungfrau ein Kind? Medizinisch, biologisch gesehen geht das nicht. Muss es auch gar nicht. Sondern es unterstreicht einmal mehr, wie besonders und unbegreiflich es bleibt, dass Gott als ein Mensch geboren wird. Wirklich geboren - nicht einfach anders, sondern mit Wehen und Schmerzen, wie jeder Mensch auf die Welt kommt.
Was dann auch am Himmel geschieht, ist ebenso unbegreiflich. Engel erscheinen da und geben zarte Hinweise in die Welt, damit überhaupt ein Mensch wahrnimmt, was dort in Bethlehem geschehen ist. Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr! Das ist unbegreiflich. Das hat es bis heute nicht wieder gegeben. Engel am Himmel! Sie singen! Und die Ersten machen sich auf die Beine und gehen los, um das Gesagte zu überprüfen. Die Hirten sind das, dieses lose Gesindel, denen niemand so recht über den Weg traut - damals.
Aber so ist das, und so wird das bleiben in dem Leben dieses Kindes, das da in der Krippe liegt. Mit solchen Menschen, die sonst vor den Augen der Menschen nichts gelten, die anrüchig sind und heruntergekommen leben, mit solchen Menschen hat dieser Jesus von Nazareth Besonderes im Sinn. Ihnen nämlich zeigt er, dass die Liebe Gottes viel größer ist, als wir Menschen Liebe weitergeben können.
So fängt sein Leben schon an. So gar nicht Gott angemessen, nach menschlichen Vorstellungen. Aber darum geht es Gott ja gerade - er möchte unsere Vorstellungen, wie Gott zu sein hat, einfach über den Haufen werfen. Er will nicht gelten lassen, was wir uns unter Gott vorstellen und zurecht legen. Und dazu fällt ihm nichts Einfacheres ein, als so zu werden wie wir. Er wird geboren wie wir auch geboren wurden. Er lebt mit allen Sorgen und Freuden, die auch wir kennen. Er begegnet unheilbar Kranken und feiert Hochzeiten mit. Das tun wir auch. Er hat Freunde an seiner Seite, aber wird auch nicht von Allen nur geliebt. Er hat Feinde; Menschen, die ihm nachstellen und ihm die Freude am Leben vermiesen wollen. Das kenne ich doch auch.
Er leidet an der Einsamkeit und weiß einige Male nicht aus noch ein und wie sein Leben weitergehen kann. Da ruft er nach Gott und bittet um seine Hilfe. Das ist doch menschlich! Das tut doch jeder: wenn es einem dreckig geht, nach Gott rufen! Und dann stirbt dieser Jesus von Nazareth auch und wird begraben. Das erwarten wir auch noch, weil der Tod unausweichlich ist.
Und dann wirft Gott unsere Vorstellungen, wie Gott zu sein hat, noch einmal total über den Haufen: er belässt Jesus von Nazareth nicht im Grab, sondern lässt ihn wieder leben! Und es ist unbegreiflich, dass Gott dies nicht nur einmal für Jesus tut, sondern es jetzt allen Menschen verspricht.
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GOTT GEHÖRT ZU UNS
Dieses Leben Jesu fängt so unbegreiflich an und wird so wunderschön von Lukas erzählt. Die Geburt dieses Kindes in der Krippe umspannt die Welt unabhängig vom Wetter, vom Klima, von der Tradition. Und diese Geschichte ist nicht gebunden an bestimmte Erlebnisse oder Erinnerungen, obwohl Erlebnisse und Erinnerungen gerade an Weihnachten eine große Rolle spielen. Sie schwingen auch mit, wenn wir Weihnachten feiern.
Wir hören auch deswegen diese Weihnachtsgeschichte immer noch und immer wieder und immer gern. Sie begleitet uns in unserem Leben. Sie gehört einfach dazu. Darin kommt ihre tatsächliche Tiefe und ihre Wahrheit ans Ziel, weil sie uns Gott sehen lässt als Einen, der einfach zu uns gehört ganz menschlich, ganz nah, von Angesicht zu Angesicht. Und das ist so unbegreiflich schön, dass wir uns Frohe Weihnachten wünschen und auch feiern wollen.
. Amen.
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