| Predigt Bischöfin Maria Jepsen bei der Deutschen Seemannsmission in Rastede am 1. Juni 2008 1. Kor. 9,16-23 |
||||
|
||||
| Liebe Gemeinde,
in den letzten Wochen wurde die Pressefreiheit vielfach thematisiert. Nicht nur in Bezug auf die Olympiade und die Berichterstattung in China. Auch in Russland und Simbabwe, in den USA und in Westeuropa, in Italien und bei uns, wenn Journalisten abgehört werden, ist die Pressefreiheit eingeschränkt. Auch dann, wenn Ereignisse und Tatsachen schief oder verkürzt dargestellt oder verschwiegen werden. Jede Beschneidung von Freiheitsrechten und jeder Einschüchterungsversuch ist ein Angriff, ein Eingriff in unsere demokratischen Grundrechte. Da steht viel auf dem Spiel, weit über die Arbeitsmöglichkeit der Journalisten und Journalistinnen hinaus. Alle sind dann empört zu Recht. Mit der Glaubensfreiheit weltweit ist es kaum anders, eher schlimmer, wenn man bedenkt, wie viele Menschen Alte Fragen kehren zurück und lassen sich nicht mehr ausblenden oder öffentlich verschweigen. Was ist der Kern des Buddhismus? Die Überbewertung oder sagen wir es klar - die Anbetung von Geld und Macht, die Ausrichtung an den Sternbildern und Horoskopen, an alt-neuen Aberglaubenpraktiken das alles wird nicht aufhören. Ebenso wenig wie christlicher, jüdischer und islamischer Glaube. Die Menschen, wir alle, spüren und wissen eben, dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde, auf dem Land und zu Wasser, als wir sehen und greifen, begreifen können, als Journalisten berichten können, als was messbar und statistisch erfassbar ist. Dem Sinn, dem Urgrund menschlichen Lebens nachzusinnen, ihm verbunden zu bleiben, in bösen Stunden und in guten, - das ist Zeichen einer tiefen Sehnsucht, das ist Herzensangelegenheit, Glaubenssuche heute nicht weniger als vor 100 oder 2000 Jahren. Ob nun darüber berichtet wird oder nicht. Wer bin ich, für mich, vor anderen, für andere? Martin Luther legte es so dar: Wir wollen die Liebe Gottes bezeugen, von Jesus erzählen, Vergebung und Hoffnung erfahren und ausstrahlen und einladen in die eigene Kirchengemeinde, in die Seemannsstation und zugleich in die weltweite Kirche Jesu Christi, möglichst viele gewinnen, wie Paulus schreibt, und zumindest einige retten. Praktische Hilfe und Orientierung an Gottes Willen zu vermitteln, ist unsere Aufgabe. Und wir merken, dass die praktische Hilfe oft leichter ist als das Glaubensgespräch. Aber beides ist wichtig, und das eine ist nicht mehr als das andere, aber letztlich gehören sie zusammen. Beim Essen und Trinken können die Herzen geöffnet werden, - das erfahren Sie in der Seemannsmission täglich, wenn die Seemänner und Seefrauen bei ihnen auftauchen, dort auftanken wollen, an Leib und Seele sich erquicken wollen, - das wird ein Freiraum geöffnet, so wie beim großen Abendmahl. Gott lädt ein, dich und mich und die vielen anderen, und scheinbar ganz nebenbei, aber sehr tiefreichend und nachhaltig, wird seine Güte erfahrbar. Wir heißen Gottes Kinder und wir sind es, Erben seiner Verheißungen. Gott macht keinen Unterschiedzwischen einem Schiffsjungen und einem Admiral und einem Reeder, zwischen einem Papst und einer Konfirmandin. Wir alle sind ihm kostbar als Werk seiner Hände. Uns liegt daran, das nicht nur für uns zu behalten. Wir haben es anderen weiterzugeben mit Worten und mit unserem Verhalten, mit Gastfreundschaft in den Gemeinden und Seemannsstationen, aber auch mit Forderungen nach Gerechtigkeit, nach angemessenen Löhnen und Heuern, nach menschenwürdigem und durchaus auch familienfreundlichem Leben. Ja, das gehört zum Glauben, dass wir für Seele und Leid der anderen Gutes tun, Gutes ermöglichen. Wir sehen im Miteinander, ob in der Gesellschaft ganz allgemein oder in den Seemannsstationen, nicht nur unsere eigene Kultur, den eigenen Kultus, die eigene vertraute Glaubensweise. Wir treffen ja täglich Menschen aus anderen Kulturen und Nationen und Religionsgemeinschaften. Wir sind nicht isoliert und ghettoisiert. Wir sind auch in Deutschland längst eine multikulturelle und multireligiöse Gesellschaft und dürfen uns nicht nur in den eigenen Nischen verkriechen und da eine nur private Frömmigkeit pflegen. Warum nur sieht es im normalen Alltag oft so anders aus? - da sind wir von einer seltsamen Furcht gepackt, dass wir die anderen bedrängen könnten und zeigen uns unfrei, unfähig, unseren Glauben ganz persönlich zur Sprache zu bringen. Als könnte es uns an den Kragen gehen. Als hätten wir Angst, ausgelacht oder angemacht oder einfach nicht verstanden zu werden. Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, damit ich möglichst viele gewinne. Liebe Schwestern und Brüder, Pressefreiheit und Glaubensfreiheit werden nicht nur durch politische Machthaber und staatliche und wirtschaftliche Gesetze und Interessen bedroht. Da machen wir selber auch mit, wenn wir unsere eigene Freiheit nicht nutzen, wenn wir schweigen und unsere Gegenpositionen aus dem Evangelium heraus nicht in aller Klarheit vertreten. In Dialogen und auf Konferenzen, allerdings auch in gesellschaftlichen Fragen, wenn es um die Heiligung unserer christlichen Feiertage geht oder um den Tanz um das Goldene Kalb. Es geht dabei nicht darum, einen Absolutheitsanspruch des Christentums zu behaupten, sondern den anderen unsere eigenen Glaubensfragen, Hoffnungen und Zweifel mitzuteilen, stets mit Respekt vor den Glaubensweisen der anderen. Paulus verzichtete auf den Lohn und redete und lebte als ein vollkommen freier Mitarbeiter im Namen Jesu Christi. Wir leben in manchen Abhängigkeiten, - und ich weiß, dass auch kirchliche Mitarbeitende sich gelegentlich nicht frei fühlen, manchmal auch stark gemaßregelt oder gemobbt, aber es gilt für uns alle, auch für mich: wir dürfen uns nicht zu Bütteln unserer Geldgeber und der gesellschaftlichen Kräfte machen lassen, erst recht nicht zu Sklaven der eigenen Glaubensscheu. Ich wünsche uns allen, dass wir aus der Freiheit des Evangeliums leben, da, wo wir arbeiten und auftreten, um der Vergebung und der Hoffnung willen, die stark macht und Rettung und Heil bringt uns und unserer Welt. Amen. |
||||