Radioandacht

"What shall we do with a drunken sailor early in the morning" - eine tolle Frage. Wer ist schon morgens betrunken ? Wenn Sie sich umhören: natürlich der Seemann. Der säuft, sobald er Land unter den Füßen hat und segelt deswegen sogar achtern raus. So jedenfalls sieht ein weit verbreitetes Vorurteil aus. Zu Zeiten der Segelschiffahrt oder auch noch in der 70-ziger Jahren mag das hie und da mal so gewesen sein. Da waren die Liegezeiten in den Häfen auch noch lang genug und reichlich Gelegenheit für den Seemann, seine Zeit und sein Geld in Vergnügen umzusetzen. Diese Zeiten sind lange vorbei. Der Streß im Hafen ist enorm, die Liegezeit soll möglichst kurz sein, denn der Fahrplan muß eingehalten werden, Termine stehen obenan. Verzögerungen kosten Geld. Und die Wartung und Instandsetzung des Schiffes muß in der kurzen Zeit auch noch geleistet werden. Da ist gerade so viel Zeit übrig, mal nach Feierabend an Land zu gehen, wenn der Seemann nicht schon zu müde ist. In Bremen liegen manche Schiffe schon mal 2 bis 3 Tage. Aber die Seeleute auf diesen Schiffen kommen oft aus Ländern, in denen wenig Geld verdient wird: Rußland, China, dem Iran oder Ägypten. Sie haben kaum Geld, um sich ein frischgezapftes Bier leisten zu können. Sie geben ihr Geld lieber für ein Telefongespräch nach Hause aus. Sie bitten uns von der Seemannsmission auch, ihr schwer verdientes Geld für den Lebensunterhalt ihrer Familien oder Großfamilien nach Hause zu schicken. Für sie selbst bleibt nur das Nötigste übrig. So wenig ist das z.B., daß sie sich eine Fahrt mit dem Taxi vom Schiff in die Stadt gar nicht leisten können. Dafür sind wir von der Seemannsmission da. Wir laden die, die sonst an Bord bleiben müßten, ein, in der Stadt zu bummeln. Oder sie kommen zu uns in den Seemannsclub, um dort ihre Freizeit zu gestalten. So bekommen sie einen Eindruck von unserem Land und unserer Stadt. Und wenn sie nach Hause kommen, können sie ehrlich sagen: Ich bin in Deutschland gewesen, und habe nicht nur Kajen und Container gesehen. Mir sind freundliche Menschen begegnet - ganz was anderes, als es sonst jeden Tag an Bord gibt. Jesus sagt im Neuen Testament: Ich war hungrig nach Abwechslung, und ihr habt es möglich gemacht für mich!" Daher stellt sich heute die Frage nicht mehr: "What shall we do with a drunken sailor early in the morning". Aber ein schmissiger Song ist das allemal.

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