| Votum: Die Gewalt des Meeres ... | ||||||
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| Die Gewalt des Meeres lässt sich nicht bändigen. Die Katastrophe der Tsunamiwelle in Süd-Ost Asien hat uns allen diese Ohnmacht auf schreckliche Weise vor Augen geführt. Selbst die modernsten Schiffe können noch zum Spielball der Meeresgewalten werden. Unsere vielleicht romantischen Vorstellungen von Seefahrt müssen sich den Todesängsten der Seefahrenden stellen. Seefahrt heute ist geprägt von immer kürzeren Liegezeiten in den Häfen. Ein kleines Container Zubringer Schiff liegt meist nur 2 bis 4 Stunden an einer Pier. Dann wird verholt, das heißt gewechselt zur nächsten. In Hamburg kann dies bis zu 9-mal während einer so genannten Liegezeit geschehen. Für die Seeleute bleibt keine Zeit an Land zu gehen. Das Schiff verlassen zu können heißt, auch der festgelegten Rolle an Bord zu entkommen. Den Anforderungen, den Geräuschen der Maschine entfliehen. Nicht jederzeit abrufbar sein. Einfach nur Mensch sein zu können. Hinzu kommt ein immer wieder unterbrochener Schlafrhythmus. In der Zubringer Fahrt sind oft 4 Stunden Schlaf am Stück die Regel für die Seeleute. Und die neuen Sicherheitsstandards in den Häfen und auf den Schiffen machen den Landgang für Seeleute noch schwieriger. Von wegen, der Seemann sieht die große weite Welt und erlebt Abenteuer in den Häfen. Die Idylle eines so genannten Traumschiffes mag für die Passagiere zutreffend sein, für die Seeleute ist sie es nicht. Im Gegenteil, die Mannschaftsunterkünfte der Besatzungen sind ohne Tageslicht. Für Mindestlöhne wird im Hotelbetrieb, in Küche und Bar geschuftet. Natürlich haben all diese Menschen sich ihren Beruf selbst ausgesucht. Doch in einem Wirtschaftsbereich den Menschen zu vergessen, der ihn letztlich erst möglich macht, ist nicht recht. Jeder Container zählt. Jede Minute, die das Schiff im Hafen liegt, zählt. Und jedes Auto an Bord zählt. Wir sagen: jeder Mensch zählt doch mindestens genauso viel. Es gibt private Arbeitsvermittler rund um den Globus, die Seeleute für die Schiffseigner dieser Welt anwerben. Es kommt durchaus vor, dass von 12 Monatsheuern 6 als Gebühr für den Vermittler bezahlt werden müssen. Wer nicht spurt, oder sich an eine Gewerkschaft wendet, bekommt keinen Job an Bord wieder. Man könnte das als moderne Sklaverei bezeichnen. Nichts desto trotz hat Seefahrt auch heute noch nicht ganz seinen Reiz verloren. Fröhliche Abende im Seemannsclub mit traditionellen Liedern aus der Heimat der Seeleute, oder Besatzungen, die ein echter Teamgeist verbindet, lassen einem das Herz übergehen. An diesem 1.Mai, dem Tag der Arbeit, der Erinnerung an Arbeitsrechte und der Sicherheit am Arbeitsplatz macht es sehr viel Sinn, an die Seeleute zu denken. Antje Zeller |
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