news mv marinaSeeschifffahrt

EU darf Handelsschifffahrt nicht zum Spielball einer verfehlten Flüchtlingspolitik machen!

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, hat das deutsche Handelsschiff „MV Marina“ am vergangenen Sonntag auf Anweisung Maltas 77 Flüchtlinge von einem nicht seetauglichen Holzboot im Mittelmeer gerettet. Doch nun ist das Schiff zum Spielball zwischen Italien und Malta geworden. Beide Länder verweisen auf die Rettung im jeweils anderen Hoheitsgebiet und daher auf die Verpflichtung der Aufnahme der Flüchtlinge durch das jeweils andere Land. Medienberichten zufolge habe sich die Situation so zugespitzt, dass auf der „MV Marina“ nur noch Lebensmittel und Nahrung für sehr kurze Zeit vorhanden sind. Weder die Crew der „MV Marina“ noch ihr Schiff sind für die Rettung von Flüchtlingen aus dem Meer ausgestattet.

Die Präsidentin der Deutschen Seemannsmission (DSM), Dr. Clara Schlaich, erklärt dazu: „Die europäische Flüchtlingspolitik setzt Kapitäne und Crews rechtlichen und moralischen Konflikten aus. Als Seemannsmission sind wir im ständigen Gespräch mit Seeleuten und wissen, welche psychischen Belastungen und Nöte dadurch entstehen. Auch unsere Seemannsdiakoninnen und -diakone erleben in der Seelsorge und Beratung ein Gefühl der Hilflosigkeit durch das Versagen der europäischen Politik. Wir fordern die Politik auf, zu verbindlichen Lösungen im Interesse von Crews und Geretteten zu kommen.

Ich danke unseren Seeleuten in der Handelsschifffahrt für ihren Mut und ihre Entschiedenheit, mit der sie ihrer humanitären Verpflichtung nachkommen: Menschen in Seenot werden aufgenommen! Aufgabe der Politik ist es, auch die Retter nicht im Stich zu lassen.“

 

news schlaichDSM e.V.

Seeleute sind Systemrelevant!

90 Prozent des weltweiten Handels erfolgen über die Seeschifffahrt. Auf den Frachtschiffen arbeiten internationale Crews, die bereits unter normalen Umständen schwierige Arbeits- und Lebensumstände haben. Die Deutsche Seemannsmission e.V. beklagt jetzt zusätzliche Probleme für Seeleute auf Handelsschiffen in der Coronakrise. „Zehntausende Seeleute kommen aufgrund der Reisebeschränkungen zwischen den Ländern nicht zurück in ihre Heimat und zu ihren Familien“, so die Präsidentin der Seemannsmission Dr. Clara Schlaich.

Arbeitseinsätze an Bord dürfen für die Seeleute i.d.R. maximal neun Monate dauern. Danach muss den Seeleuten eine Pause gewährt werden, denn an Bord gibt es keinen freien Tag. Diese Pause ist aber nun in Frage gestellt. „Seeleute berichten uns, dass der Rücktransport nach Hause und damit die wichtige Pausenzeit im Moment nicht möglich ist. Dies ist vor allem deswegen besonders bedrückend, als Seeleute in den letzten Monaten durch die Corona-Pandemie bereits hohe psychischen Belastungen ausgesetzt waren. Ein Verlassen des Schiffes ist in vielen Fällen nicht mehr möglich, Spannungen und Vereinsamung an Bord haben massiv zugenommen,“ weiß Arbeitsmedizinerin Schlaich.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) weist in einem Schreiben vom 7. April 2020 darauf hin, dass der Flaggenstaat eines Schiffes die Verantwortung dafür trägt, dass die Seeleute nach Hause kommen, sollte dies von den Reedereien nicht organisiert werden können. Gerade bei Billigflaggenländern sei dies nicht immer der Fall. Ebenso sollten Seeleute von den Regierungen als unbedingt „systemrelevant“ anerkannt werden und damit keinen Reisebeschränkungen unterliegen, wenn es um den Crew-Wechsel auf Schiffen geht.

Die Deutsche Seemannsmission stellt sich mit dieser Erwartung hinter die Forderungen anderer Sozialpartner und des Verbands Deutscher Reeder. „Es ist dringend geboten, dass die Seeleute am Ende ihrer oft monatelangen Verträge eine Pause erhalten und zu ihren Familien zurückkehren können“, fordert Schlaich. „Aus unseren Gesprächen an Bord der Schiffe wissen wir, wie erschöpft Seeleute am Ende ihrer monatelangen Verträge sind. Oft arbeiten sie bis zu 70 Stunden pro Woche ohne freien Tag. Darüber hinaus weiterarbeiten zu müssen, birgt große Gefahren: für sie selbst und für ihre Kollegen.“
  

 

container shipSeeschifffahrt

Seemannsmission hilft in der Corona-Krise - In fremden Häfen gestrandet

Von der Corona-Krise sind viele Menschen auf der ganzen Welt betroffen. Doch während die meisten sich zuhause aufhalten, sitzen viele Seeleute in fremden Häfen fest. Aufgrund der Ansteckungsgefahr können sie nicht von Bord und auch nicht abgelöst werden. Eine belastende Situation.

Beitrag anhören:

Von Mechthild Klein www.deutschlandfunk.de, Tag für Tag Hören bis: 19.01.2038 04:14
  
 

news duckdalben shop

Schifffahrt international

Wie abgeschnitten - wegen Corona kommen Schiffs-Crews kaum noch von Bord

epd / Dieter Sell. Mehr als 90 Prozent aller Güter werden über die Weltmeere geliefert. Jetzt, im globalen Corona-Shutdown, wird die Schifffahrt noch mehr als bisher zum zentralen Glied in der Logistik-Kette. Und mit ihr die Seeleute - unter erschwerten Bedingungen. Seemannsdiakonin Christine Freytag muss sehr flexibel sein.

Shampoo, Duschgel, Handseife, Zahnbürsten und Süßigkeiten, alles exakt aufgelistet mit Produktnamen, Gramm, Milliliter und Mengenangabe: Der Kapitän eines großen Containerschiffs in Bremerhaven hat Seemannsdiakonin Christine Freytag eine detaillierte Einkaufsliste zugeschickt. Damit arbeitet sie sich nun durch einen Supermarkt und kauft für die Besatzung ein, die in der Corona-Krise einfach nicht mehr vom Schiff kommt.

Gefangen an Bord: War es in der Vergangenheit aufgrund von Sicherheitsbestimmungen und kurzen Liegezeiten für die Crews von Handelsschiffen schon nicht einfach, länger an Land zu gehen, ist es in Zeiten der Pandemie oft nahezu unmöglich. Die Angst vor Ansteckung ist groß. Als Freytag etwas später die Gangway zum Schiff erklimmt und ihren Einkauf überreicht, ist der zweite Offizier deshalb erleichtert. Sie seien nirgendwo mehr an Land gekommen, und jetzt fehle ihnen alles Mögliche an Bord, berichtet er. Nicht mal "Sunny" - der Versandhandel für Seeleute - arbeite noch.

Aber wo sollten die Männer auch hingehen, wenn sie vom Schiff runterkommen? Die meisten Clubs der Seemannsmission, beliebte Anlaufpunkte, um mal zu entspannen, sind geschlossen - Infektionsgefahr. Die Situation sei weltweit ähnlich, Einkäufe seien selten möglich, schildert Christoph Ernst, Generalsekretär der Deutschen Seemannsmission (DSM) mit Sitz in Hamburg.

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DSM Rotterdam

From a distance – you are in our hearts!rotterdam gangway

Der Frühling strahlt, als gäbe es überhaupt keine dunklen Wolken. Und der Rotterdamer Hafen scheint zu brummen, als sei gar nichts passiert. Erst unmittelbar am Schiff angekommen ist zu spüren, dass irgendetwas anders ist. Näher heran als bis zur Gangway geht in Zeiten der Virus-Krise nicht. In den Terminals des Rotterdamer Hafens sind keine Bordbesuche erlaubt – und noch bis auf weiteres wird das so sein.
 
Das trifft die Seeleute, die ihren Alltag sowieso schon in großer Isolation erleben, besonders hart. Oft sind die Begegnungen z.B. mit den Freiwilligen der Seemannsmission die einzige Gelegenheit für etwas Austausch über den Horizont ihrer Arbeit und über die Reling ihres Schiffes hinaus. Nicht nur, um Telefonkarten, Zeitungen und kleine Besorgungen zu erhalten. An Landgang ist nicht mal zu denken. Ja, der Hafen funktioniert – was das Lotsen, Löschen und Laden betrifft. Dank der Menschen, die dort für unsere Versorgung weiterarbeiten.

rotterdam janssenAber wie steht es um ihr alltägliches Leben dort? Sorge und Ungewissheit machen mächtig Druck auf‘s Hirn – und im Herzen. Zumal zuhause für ihre Familien und Freunde kein solches Gesundheitssystem wie in Mitteleuropa da ist. Gut, wenn manche Crewmitglieder untereinander aufmerksam sind oder für entspannende Augenblicke im Miteinander der Crew gesorgt werden kann. Aber oft sind nicht einmal ihre geringen Freizeitmöglichkeiten an Bord aufgrund der auch dort geltenden Abstandsregeln möglich. Die Frage, wie es mit ihren Verträgen und mit den wirtschaftlichen Bedingungen weitergeht, drückt außerdem heftig auf die Stimmung.

Wenigstens für einen kurzen Talk von der Kade aus über die Gangway hinweg schaut Seemannspastor Jan Janssen hier im April vorbei. Und wieder ist die Freude groß, ganz gleich wie klein das Zeichen des Aneinander-Denkens ist. Vielleicht nur von weitem – und doch: Ihr seid in unseren Herzen! „Blessings to you!“

 

logo denkanstossDenkanstoss

Von Familien und Freunden getrennt

Seit Wochen schränken wir unsere persönlichen Kontakte ein. Haben meist nur noch Kontakt via Telefon und Internet. Und keiner weiß genau wie lange das noch so gehen wird. Der Schutz unserer Liebsten steht an oberster Stelle, zu mindestens für mich und sicher auch für viele von euch. Viele bedanken sich bei den Personengruppen, die grad alles daransetzten, dass alles weiterläuft. Doch eine Personengruppe wird häufig komplett vergessen. Diese Menschen sorgen dafür, dass die Regale in den Supermärkten wieder gefüllt werden und das wir weiterhin online alle möglichen Dinge bestellen können. Knapp 90 % aller Konsumgüter werden über den Seeweg transportiert und Seeleute sind rund um die Welt auf den Meeren für uns dafür unterwegs. Für sie ist es „normal“ monatelang (nicht nur wochenlang so wie wir) von ihren Familien und Freunden getrennt zu sein. Das Internet ist da schon eine hilfreiche Sache, doch merken wir doch genau zu dieser Zeit, dass nichts den persönlichen Kontakt oder eine herzliche Umarmung ersetzen kann. Ich möchte auch den Seeleuten danken, denn die neuen Regelungen trifft auch sie sehr hart. Die Arbeit geht weiter, doch von Bord gehen dürfen sie während der Liegezeiten in vielen Häfen gar nicht mehr. Auch nach Vertragsende wieder nach Hause zu kommen ist nun erschwert dazugekommen.

In dieser Zeit geht es darum den andern Menschen zu sehen und nicht nur sich. Ich hoffe, dass uns die neuen und ja nur vorübergehenden(!) Regelungen schnell und gut durch diese Pandemie führen werden.

Eure Sarah von der Seemannsmission Cuxhaven
 

 

news dsm care 02

DSM

Deutsche Seemannsmission startet neuen Service für Seeleute:

DSM.Care – Seelsorge Online

Seit dem 7. April 2020 bietet die Deutsche Seemannsmission e.V. (DSM) eine Chat-Plattform für Seeleute an. Unter der Webadresse  https://dsm.care können Seeleute mit hauptamtlichen Mitarbeitenden der DSM in Kontakt treten. Die Seeleute treffen hier mit ihren Anliegen, Sorgen und Nöten auf professionelle Seelsorger, erfahrene Sozialarbeiter und psychosoziale Fachkräfte, die sich mit der besonderen Lebenssituation und der Arbeitswelt von Seeleuten bestens auskennen.

Seemannspastor Matthias Ristau, der das Projekt seit längerem inhaltlich begleitet, sagt: „Mehrere Monate lang arbeiten Seeleute sieben Tage in der Woche auf engstem Raum zusammen. Dazu kommen Schlafmangel, hohes Arbeitsaufkommen und das Leben mit den Naturgewalten, aber auch Erfahrungen mit Piraterie sowie zwischenmenschliche Probleme mit den internationalen Kollegen an Bord – um nur einige der Belastungen, denen Seeleute täglich ausgesetzt sind, zu nennen.“

Seeleute hatten – auch schon vor der Corona-Krise – nicht immer die Möglichkeit, ihr Schiff zu verlassen und damit dem täglichen Stress für ein paar Stunden zu entkommen. „In dieser Situation jetzt schnell ein passendes digital-seelsorgliches Angebot zu schaffen, entspricht unserem Ziel, uns für die Würde der Seeleute einzusetzen“, so Ristau.

Die Plattform DSM.care wurde von einem Team aus der DSM heraus gemeinsam entwickelt und stellt sich damit den Herausforderungen, die durch die sich verändernden Bedingungen der Schifffahrt heute für Seeleute aktuell sind. So wird Seeleuten ermöglicht, per Mausklick oder Smartphone in belastenden Situationen unmittelbar und ortsunabhängig seelsorgliche Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Auch wenn dies den persönlichen Kontakt nicht ersetzt, so sind auch dann, wenn – wie gerade jetzt in der Corona-Krise – keine direkte Begegnung zwischen Seeleuten und Port Chaplains möglich ist, die Mitarbeitenden der Deutschen Seemannsmission als Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen dennoch für Seeleute präsent.
 

 

duckdalben besuch an gangwayHafen Hamburg

Corona-Krise trifft Schifffahrt - Hunderttausende Seeleute sitzen fest

Wegen der Corona-Pandemie können weltweit Hunderttausende Seeleute nicht von ihren Schiffen runter. Für die Crews ist das eine schwere Belastungsprobe.

Duschgel, Einwegrasierer, Zahnbürsten - Sören Wichmann packt eine Art Care-Paket. Die Regale im kleinen Shop des Seemannsclub Duckdalben sind noch gut gefüllt. Doch die Anlaufstelle der Deutschen Seemannsmission im Hamburger Hafen ist wegen der Corona-Krise geschlossen. Weil die Seeleute nicht zum Club kommen können, fährt der Sozialarbeiter nun raus zu den Schiffen.

Die Situation für die Besatzungen ist extrem schwierig. Einige seien seit fast einem Jahr auf ihren Schiffen, erzählt Matthias Ristau, Seemannspastor der Nordkirche. "Wer im Homeoffice sitzt, kann sich das vorstellen: Es beginnt stressig zu werden, wenn man nicht weiß, wie lange man noch an Bord bleiben muss."

Gesamten Beitrag des ZDF lesen und ansehen (Externer Link)
Text: Martin Niessen, Foto: ZDF
 
 

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