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DSM e.V. - Unsere Meinung

Ich kann doch nicht wegschauen – ich muss ja helfen!

Die neue Politik Italiens und Maltas verändern die Fluchtrouten. Mittlerweile kommen täglich nur noch wenige Schiffe in Italien an. Dafür aber umso mehr in Spanien. Das bedeutet, dass die Überfahrt über das Mittelmeer für die Schutzsuchenden länger und gefährlicher wird, sich die Qualität der Transportschiffe aber kaum verändert.

Wir von der Deutschen Seemannsmission e.V. (DSM) weisen darauf hin, dass diese Veränderung auch zu Lasten der Handelsschifffahrt geht. Das westliche Mittelmeer ist stark befahren. Begegnungen mit havarierten Schutzsuchenden und Handelsschiffen nehmen wieder zu.

Eine ähnliche Situation gab es bereits vor zwei Jahren, als noch Ägypten einer der Hauptausgangsorte der Migrationsströme war. Die Handelsschifffahrt rettete damals weit mehr als 50.000 Menschen jährlich. Der Unterschied zu heute ist jedoch, dass die Kapitäne und Besatzungen nun schneller und häufiger kriminalisiert werden. Sie werden Schleppern gleichgesetzt und indirekt durch die Politik aufgefordert, in Seenot Geratene auf ihren seeuntüchtigen Schiffen zu lassen. Gerade die letzten beiden Fälle, die durch die Medien gegangen sind – das festgehaltene MAERSK Schiff in Italien und der anstehende Prozess gegen den Kapitän der Lifeline verunsichern die rettungs-willigen und –pflichtigen Seeleute sehr.

In vielen Gesprächen zwischen Seeleuten und uns von der Deutschen Seemannsmission hören wir immer wieder den Satz: „Ich kann doch nicht wegschauen – ich muss ja helfen“. Doch die Politik lässt die Seeleute in ihrer Entscheidung allein und droht ihnen noch mit Strafen, falls sie dringend notwendige Hilfe leisten.

„Hier wird ein Konflikt auf dem Rücken der Menschen ausgetragen, die für unseren Wohlstand unterwegs sind“ so Heike Proske, Generalsekretärin der DSM. „Mehr als 90 % aller in der Welt gehandelten Güter werden durch die Handelsschifffahrt transportiert, meist von Seeleuten aus Schwellen- bzw. Entwicklungs-Ländern. Die Politik lässt diese Menschen jedoch völlig allein, ja, hat Seeleute in ihrer besonderen Situation überhaupt nicht im Blick. Seeleute retten in Seenot befindliche Menschen schon deshalb, weil sie selbst in Seenot geraten könnten und gerettet werden möchten, ohne dass andere so lange darüber nachdenken, bis es zu spät ist.

Die Deutschen Seemannsmission e.V. fordert sowohl die Bundesregierung als auch die Europäische Union auf, sofort verbindliche Regelungen zu finden, die die Handelsschifffahrt bei der Bergung von Schutzsuchenden entkriminalisiert und klare Regelungen für die Übergabe der Geretteten festzulegen.

"Egal, warum die Menschen über das Meer fliehen: Wenn sie unterwegs in Seenot geraten, brauchen sie Hilfe. Das gebietet die Menschlichkeit. Das gebietet die Nächstenliebe." sagt Präses Manfred Rekowski.
Ebensolche Hilfe fordern wir als Deutsche Seemannsmission e.V. für die Seeleute, die Menschen retten.

Herausgeber:
Deutsche Seemannsmission e.V.
Heike Proske, Generalsekretärin (verantwortlich)
Contrescarpe 101, 28195 Bremen,
Telefon +49 421-163 84 51
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