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bhv freytag mundschutzDSM Bremerhaven

Arbeitsalltag in Corona Zeiten

Text und Fotos: Seemannsdiakonin Christine Freytag, Bremerhaven.

Am Montag, den 23. März stellen wir unsere letzten drei FSJ-ler frei. Wir haben unsere letzte Teambesprechung in leibhaftiger Form, sitzen an separaten Tischen mit zwei Meter Abstand zwischen uns und diskutieren die schon wieder veränderte Lage. Zum dritten Mal innerhalb von 10 Tagen reduzieren wir unsere Aktivitäten: Nun ist der Seemannsclub geschlossen und die Rezeption des Hotels nur noch vormittags von 8°°-12°° geöffnet, die FSJ-ler aller Bereiche sind freigestellt.  Bordbesuche finden auf Anfrage statt. Noch kommen wir in den Hafen. Noch - denn bereits jetzt zeichnet sich ab, dass wir bei einer noch weiteren Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen nicht in den Bereich der systemrelevanten Organisationen fallen werden.

Dienstag, 24. März

Der erste Offizier eines Frachtschiffes, das in Bremerhaven in der Werft liegt, ruft mich an und fragt, ob ich wegen Telefonkarten an Bord kommen könne. Wir kennen uns bereits vom Besuch vergangener Woche. „Damals“ hatte ich auf dem Schiff noch so ziemlich jedes Handy in der Hand, um den Seeleuten ihre Simkarten einzurichten. Jetzt bitte ich ihn, die Wünsche aller an Bord zu einer Bestellung zu sammeln und mir zu übermitteln, so dass ich an Bord nur die Karten übergeben muss: Wir müssen den Kontakt minimieren. Als er wieder anruft, um mir seine Bestellung durchzugeben, fragt er, ob ich auch 13 Flaschen Desinfektionsmittel besorgen könne. Ich muss lachen!

In der Werft: Hochbetrieb! Corona ist irgendwo draußen, hier wird gearbeitet. Die Minimierung des Kontakts zum CO ergibt sich damit von selbst: Sorry, I am busy! Ich übergebe ihm die Karten und bin schon wieder verschwunden.

Auch der Chiefmate eines Containerschiffes hat angerufen. Von ihm habe ich keine Vorbestellung bekommen, er bittet einfach um einen Besuch an Bord. Ich gehe mit Mundschutz an Bord, nicht weil ich glaube, dass das wirklich hilft, aber ich will ein Signal aussenden und erkennbar machen: Haltet Abstand, mehr Abstand als sonst!

Der Mundschutz weht mir auf der Gangway erstmal vor die Augen, das ist blöd. Nach einer Weile habe ich mich an das Ding gewöhnt. Der Koch kommt herein und bietet mir einen Kaffee an. Jetzt erfüllt der Mundschutz bestenfalls noch den Zweck, mein Lachen zu verbergen, eine abschreckende Wirkung hat er offensichtlich nicht!

Der Chiefmate sagt seiner Crew deutlich, dass niemand wisse, wie sich die Lage weiterentwickle und ob beim nächsten Anlauf noch jemand von der Seemannsmission an Bord kommen dürfe, sie sollen auf Vorrat kaufen. Vielleicht muss ich es an dieser Stelle zur Sicherheit noch mal erklären: Die Simkarte, für das Handy bedeutet für die Seeleute, mit ihrer Familie in Kontakt bleiben zu können. In dieser Zeit hat sich der Alltag der Menschen weltweit verändert. Durch die Maßnahmen, die ergriffen wurden, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, ist auch der Alltag in den Heimatländern der Seeleute anders als sonst. Zudem ist jeder besorgt und möchte wissen, wie es den Lieben zu Hause geht.

bhv securitycheck shipAm Tor des Containerterminals treffe ich einen Lotsen, der auf sein Taxi wartet. Auch die Seeleute des Feeders, den er gerade herein gelotst hat, brauchen Telefonkarten. An Deck ist es windgeschützt, so dass ich die Aufbauten gar nicht betrete und draußen bleibe.

Mittwoch, 25. März

Das tolle bei der Seemannsmission ist ja, dass wir in einem weltumspannenden Netzwerk arbeiten! Ein Kollege hat für heute Vormittag einen virtuellen Konferenzraum organisiert und uns für 10 Uhr zum „Stammtisch“ eingeladen. Da klicke ich jetzt also auf einen Link und dann sehe ich einige meiner Kollegen, angefangen auf der anderen Weserseite in Brake über Alexandria bis nach Hongkong!  Manche sehe mit sehr verzerrten Bewegungen, einige als Standbild und die meisten nur mit Namenskürzel. Da die Tonqualität besser wird, wenn man ganz auf die Bilder verzichtet, wird das auch nach kurzer Zeit so beschlossen. Um Störgeräusche zu vermeiden, schalten dann auch noch alle, die gerade nicht sprechen, ihre Mikros ab.
Da viele Kollegen zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr in die Häfen kommen und deshalb an ihren Schreibtischen sitzen, ergibt sich die Gelegenheit zu diesem virtuellen Stammtisch.

Der Moderator fordert einen nach dem anderen auf, aus seiner Situation zu berichten und so kommt es auf einmal sehr nahe, dass das hier wirklich eine globale Krise ist. ALLE berichten von deutlichen Veränderungen im Alltag. So lausche ich meinen Kollegen, während ich die Telefonkarten mit Aktivierungsanleitungen beklebe. Ganz ehrlich: So lange niemand ernsthaft auf die Idee kommt, dieses Instrument als Ersatz für Konferenzen vorzuschlagen, ist das eine feine Sache!

 

Aber dann klingelt mein Telefon und ich muss den Konferenzraum verlassen. Ein indischer Seemann ruft an und bittet mich, Medikamente zu besorgen, und an Bord zu bringen.
Medikamente besorgen, das gibt eigentlich immer Komplikationen. Erfahrungsgemäß ist immer ein Medikament dabei, dass in Deutschland rezeptpflichtig ist und dass Seeleute überall sonst auf der Welt angeblich problemlos kaufen können. So auch diesmal. Zudem ist die Apothekerin verwundert, weil es sich um Medikamente handelt, die man eigentlich Kindern gibt. Eine Rückfrage an Bord ergibt, dass die Medikamente tatsächlich für ein Kind bestimmt sind: Der Seemann hat Frau und Kind an Bord, das Kind ist erkrankt und der Vater versucht für seinen Sohn Medikamente zu beschaffen, ohne sich und seine Familie durch einen Landgang in Corona-Deutschland einem zusätzlichen Infektionsrisiko auszusetzen. Trotzdem bekomme ich in der Apotheke kein Antibiotikum ohne Rezept. Der Chef der Apotheke nimmt aber in Folge Kontakt mit der Hafenärztin auf und ich bitte den Seemann, den offiziellen Weg über den Agenten einzuschlagen, so dass das Kind am Ende doch noch zu seinem Antibiotikum kommt!

Ein Schiff mit syrischer Crew, dass wegen Reparaturarbeiten länger bei uns im Hafen liegt, wird von einem arabischsprachigen ehrenamtlichen Mitarbeiter jetzt aus dem Homeoffice telefonisch betreut. Der Mitarbeiter und mich angerufen, um mir zu sagen, welche Telefonkarten ich an Bordbringen soll. An Bord angekommen begrüßt mich der Wachhabende an der Gangway mit einer Flasche Gasreiniger und will meine Hände damit einsprühen. Seeleute sind Weltmeister der Improvisation. Wenn es kein Desinfektionsmittel gibt, dann wird eben Glasreiniger genommen, das wird doch sicherlich auch helfen!

Der Kapitän eines großen Containerschiffs hat mir eine detaillierte Einkaufsliste zugeschickt. Shampoo, Duschgel, Handseife, Zahnbürsten und Süßigkeiten, alles exakt aufgelistet mit Produktnamen, Gramm, Milliliter und Mengenangabe. Anhand dieser Liste arbeite ich mich durch den Supermarkt am Roten Sand. Hier fehlen in diesen Tagen vor allem die Seeleute im Publikum. Beim Versuch, die gewünschten Artikel zusammen zu klauben treffe ich einen unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter. Dieser hat bereits eine neue Aufgabe übernommen und macht jetzt Einkäufe für Menschen, die sich wegen der Infektionsgefahr gar nicht mehr raustrauen.

Als ich später mit den Einkäufen das Büro an Bord betrete, reißt sich der zweite Offizier erleichtert den Mundschutz vom Gesicht: Sie seien nirgendwo mehr an Lang gekommen und jetzt fehlte ihnen alles Mögliche an Bord. Nicht mal Sunny (der OTTO-Versand der Seeleute) arbeite noch.

Die Leute sind wirklich sehr dankbar für die Einkäufe! Ich bekomme eine Spende für unsere Arbeit und der Offizier will mir tatsächlich eine Packung mit Mundschutz aus dem Schiffsbestand mitgeben. Das muss ich natürlich ablehnen.

Abgelöst wird derzeit niemand, weil Einreiseverbote ausgesprochen wurden und auch fast keine Flugverbindungen mehr bestehen. Man hat den Seeleuten jetzt schon gesagt, dass vermutlich erst Ende Mai wieder Ablösung möglich sei. Das sind noch 8Wochen. 8 Wochen, in denen die Seeleute auf ihren Schiffen vor dem Coronavirus ziemlich gut geschützt sind, denn sie sind von Berufswegen sehr isoliert. Immer, nicht nur in Zeiten von Corona.
Für die, die eigentlich jetzt abgelöst werden sollen, sind es acht Wochen mehr Arbeit und acht Wochen mehr ohne Familie und dass, wo mancher Vertrag schon neun oder zehn Monate gedauert hat.

Natürlich bin ich ein zusätzliches Infektionsrisiko für die Seeleute. Die Angst, diejenige zu sein, die am Ende nachweislich die Besatzungen von mehreren Seeschiffen infiziert hat, begleitet mich in diesen Tagen auf Schritt und Tritt. Gleichzeitig spüre ich gerade jetzt  besonders deutlich, wie sehr Seeleute uns und unsere Arbeit brauchen!
 

 

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