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Was tun wir bei Piraterie?

Unser mitteleuropäisches Bild von Piraten stammt meist aus Abenteuerromanen oder Kino-Filmen wie die Hauptfigur Captain Jack Sparrow aus Pirates of the Caribbean. Die Wirklichkeit im Hafen von Douala und leider auch am gesamten Golf von Guinea sieht anders aus: Moderne Piraten kommen im Schutz der Nacht und überfallen ankernde Schiffe, sind gut informiert über Schichtwechsel der Crews, extrem sportlich, schwer bewaffnet und gewaltbereit. Die Überfälle finden nie direkt in den Häfen, sondern vor Anker statt. Da, wo es den Sicherheitsteams schwerfällt, ein großflächiges Gebiet zu überwachen, zu dem leider auch die Piraten leicht Zugang haben und somit auch ihr Rückzug schnell erfolgen kann. So zeigte der zweite Offizier uns auf einem Schüttgutfrachter das Einschussloch einer Kalaschnikow. Dieses ist sichtbares Überbleibsel und ein Beweis für das Einsetzen von Waffengewalt beim Überfall. Auf diese Weise wurde die Hälfte der Crew „überzeugt“ den Befehlen der Piraten Folge zu leisten.

Bei einem anderen Überfall vor Anker in Limbé wurde einem griechischen Matrosen ins Bein geschossen. Bei den vier letzten „erfolgreichen Angriffen“ innerhalb des letzten Jahres wurden strategisch die europäischen Seefahrer mit dem höchsten Rang gekidnappt und auf unbewohnten Inseln wochenlang bis zur Zahlung des Lösegeldes gefangen gehalten. Nach Abschluss der oft Tage andauernden behördlichen Ermittlungen ist unsere Aufgabe, die Krisennachsorge mit der Crew durchzuführen. Diese basiert in Rücksprache mit dem Kapitän auf Einzel- oder Kleingruppengesprächen hauptsächlich mit denjenigen, die die Entführung ihrer Teamkollegen miterlebten. In den Erstkontakten erfolgen lediglich vertrauensbildende Maßnahmen. Der Vorfall wird von uns bewusst nicht thematisiert.

Beim erstmaligen Bordbesuch des Frachters wurden unsere kamerunischen Schiffsbesucher eher kritisch beäugt. Dieses war für unser Team eine neue Erfahrung, weil sie Solches von philippinischen Crews bisher nicht kannten.

Beim erstmaligen Bordbesuch des Frachters wurden unsere kamerunischen Schiffsbesucher eher kritisch beäugt. Dieses war für unser Team eine neue Erfahrung, weil sie Solches von philippinischen Crews bisher nicht kannten. Die anfängliche Skepsis konnte überwunden werden, anschließend waren wir mehr als zwei Wochen täglich mindestens eine Stunde an Bord. So konnten wir ein nahezu familiäres Verhältnis zur Besatzung aufbauen. Von der 22 Mann starken Besatzung wurde die Hälfte entführt u.a. der Kapitän, während der Chief in der Kabine nebenan hilflos den Überfall mit anhören musste, jedoch selbst nicht entführt wurde, weil seine Kabine glücklicherweise von innen abgeschlossen war. Da man die Dauer der Lösegeldverhandlungen generell nicht absehen kann, wurde auch hier die Crew durch 10 Seeleute ergänzt.

Bei den anschließenden Gesprächen entscheiden die Betroffenen selbst wie viel, was und wem sie sich anvertrauen. Wir arbeiten immer in geschlechterausgeglichenen Teams. In dieser Crew sprachen vier offen über ihre Erfahrungen und die daraus entstandenen Ängste. Zwei wurden auf eigenen Wunsch frühzeitig aus ihrem Vertrag entlassen und nach Hause rückgeführt. Die anderen blieben trotz ihrer Ängste, weil ihre Familien die Heuer zur Existenzsicherung benötigen. Mit der neu entstandenen Mannschaft haben wir unterschiedliche teambildende Aktivitäten mitbegleitet wie gemeinsame Gebete, die Geburtstagsfeier des jüngsten Matrosen, Karaoke etc., um wieder sowas wie „Normalität“ und positiv Gemeinschaftserfahrungen ins Bewusstsein zu rücken.

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Sieben Monate danach besteht noch regelmäßiger Kontakt über messenger mit zweien der betroffenen Seefahrer. Einer von ihnen schickt mir immer wieder Berichte und Anzeigen zu Fällen von Piraterie. Er berichtete mir neulich, dass er in ostafrikanischen Gewässern an Bord eines neuen Schiffes unterwegs sei, und aufgrund der aktuellen Covid-Lage erhielten sie in Durban auch kein bewaffnetes Sicherheitsteam an Bord aus Personalmangel. Das versetzte ihn in Angst…

Seine Erfahrungen werden ihn noch lange wenn nicht für immer an Bord begleiten. Wir können diesen Seeleuten, egal wo sie sich gerade befinden, ein offenes Ohr und Empathie bieten, sowie sie mit ihren Liebsten verbinden oder auch zu Kollegen vor Ort den Kontakt herstellen.

 

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