news friedenskerze

Es ist Krieg.

Wir beten für Frieden.

Für alle Menschen
in der Ukraine und Region.

Für alle ukrainischen
und russischen Seeleute,
die oft an Bord zusammenarbeiten.

Für alle Seeleute,
die in der Region
unterwegs sind.

 

DSM e.V.

Weltkonferenz der Deutschen Seemannsmission in Hamburg

Nach langer Pause kommen die in- und ausländischen Vertretungen der Deutschen Seemannsmission (DSM) am 1. Mai zu ihrer Weltkonferenz nach Hamburg. Das Treffen steht unter dem Motto "Begegnungen", wie die Seemannsmission auf epd-Anfrage mitteilte. In einem Festgottesdienst um 18 Uhr wird der neue Generalsekretär der Deutschen Seemannsmission, Pastor Matthias Ristau, in der Hauptkirche St. Katharinen in sein Amt eingeführt. Die Hamburger Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) spricht ein Grußwort. Die letzte Weltkonferenz fand 2014 statt.

Unter dem Motto "Begegnungen" wollen die Mitarbeitenden der Seemannsmission diskutieren, wie neue Begegnungsmöglichkeiten für die Seeleute geschaffen werden können, sagte Ristau dem epd. Weiteres Thema sei die psychosoziale Unterstützung für Seeleute nach belastenden Ereignissen. Das Motto mache aber auch deutlich, wie wichtig der Kontakt der weltweiten Seemannsstationen untereinander ist. Die Tagung wird vom 2. bis 6. Mai in Bad Bederkesa (bei Bremerhaven) fortgesetzt.

Text: epd
  
 

duckdablen mueller(v.l.): Verena Hedtke, Matthias Ristau, Olaf Schröder, Claudia Müller, Anke Wibel, Sören Wichmann und Jan OltmannsDSM Duckdalben

Claudia Müller auf „Duckdalben“-Visite

Maritime Koordinatorin informiert sich über umfangreiches Aufgabenpaket - Finanzierung ein Top-Thema

Sie kennt ihn schon seit Langem, und sie schätzt ihn und seine Arbeit ganz besonders: Claudia Müller, die neue maritime Koordinatorin der Bundesregierung, hält große Stücke auf den Internationalen Seemannsclub Duckdalben im Hamburger Hafen. Jetzt informierte sie sich im Rahmen eines Bordbesuchs über die aktuelle Lage in diesem 1986 gegründeten Seamans-Club.

Das alles in einem entspannten Rahmen, und zwar als eine Art „Kamingespräch“. Zum Teilnehmerkreis gehörten dabei Verena Hedtke, persönlichen Referentin, das Duckdalben-Team aus Anke Wibel, Sören Wichmann, Jan Oltmanns (Leitung), Olaf Schröder (Leiter Seafarers Lounge), Jörn Hille (Leiter Bordbesuchsdienst) sowie Matthias Ristau, dem neuen Generalsekretär Deutsche Seemannsmission.

Die Arbeitswelt in der Kreuzschifffahrt, für die Hamburg im Übrigen ein wichtiger Startund Zielhafen ist, steht dabei beispielhaft für das umfangreiche Aufgabenfeld der Seemannsmission mit den großen Dauerthemen wie Arbeitssicherheit,dersozialenLageder Seeleute , aber auch die immer wieder erlebbaren, prekären Arbeitsverhältnisse an Bord. In beiden zurückliegenden Jahren der Pandemie kamen zum üppigen Aufgabenpaket der Seemannsmission auch noch die Versorgung von Seeleuten mit einem zuverlässigen Corona-Impfschutz.

Der mehrstündige Austausch wurde von allen daran Teilenehmen als sehr wertvoll empfunden. Für das Duckdalben-Team, das sich schon jetzt auf den „Ruhestand“ seines Ur-Gesteins, Jan Oltmanns, im August „seelisch“ vorbereitet, lag auch diese Botschaft an Claudia Müller besonders am Herzen: Wenn die allseits anerkannte Arbeit der Seemannsmission im Allgemeinen und des Hamburger Duckdalbens im Besonderen auf dem bewährtem Niveau weiter geführt werden kann, dann geht das nicht ohne eine zuverlässige, solide Finanzausstattung. Das Einwerben von entsprechenden finanziellen Zuwendungen, von der Reederschaft bis hin auch zur öffentlichen Verwaltung, sei sehr fordernd. Jede Unterstützung, auch seitens der Maritimen Koordinatorin, sei daher mehr als willkommen, nahm Claudia Müller mit den Rückweg nach Berlin.

Text: Mit freundlicher Genehmigung der THB-Chefredaktion • Foto: DSM Duckdalben
 
 

lfa2022Über uns

"lass fallen anker"
Ausgabe 2022 online.

Wir dachten, jetzt haben wir es endlich überstanden. Wir hatten eine ganze Reihe von Stürmen abgewettert. Und dann kam es schon wieder dicke.“ So geht es den Seeleuten im Jahr 2022. An Land schien für viele die Pandemie fast schon vorbei, aber die Seeleute spürten kaum die Wellen, jedenfalls waren die Wellentäler nicht sehr ausgeprägt. Es gab kaum Lockerungen zwischendurch. Die meisten hatten viele Monate keinen Landgang, auch in Zeiten, wo an Land vieles wieder möglich war. Alle sind furchtbar erschöpft.

Und dann der Krieg in der Ukraine. Seeleute sind davon betroffen, ganz direkt alle in der Region, wo Schiffe beschossen wurden.

Vor allem sind natürlich die Seeleute aus der Ukraine und aus Russland betroffen. Auf vielen Schiffen arbeiteten sie bisher zusammen.

Viele sagen immer noch: „Wir sind Seeleute, keine Politiker.“ Aber es gibt auch Spannungen. Das sind schwierige Zeiten für die Seeleute mit großer Herausforderung für die Seemannsmission. Wir wollen doch für die Seeleute da sein und für sie möglich machen, was nur geht! Vieles ging nicht mehr seit Beginn der Pandemie, und die Seemanns­mission musste sich neu erfinden. Plötzlich gab es Lieferservice, Besuche an der Gangway, ganz viele digitale Kontakte, auch über die Chatplattform dsm.care, dazu all die Aktionen zum Impfen und Besuche bei Hunderten in Isolation. Inzwischen dauert die Pandemie schon so lange, das kostet noch mal mehr Kraft. Und jetzt noch dieser Krieg und die damit verbunde­ nen Auswirkungen auf die Schifffahrt und die Menschen an Bord und ihre Familien.

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lehavre barzan aurelio lehavre barzan kenneth

Bootsmann Aurelio und OS Kenneth im Interview mit  Silvie Boyd

DSM Le Havre

In der heutigen Zeit wird nahezu alles mit dem Handy gefilmt und fotografiert… auch an Bord

Seemannsgarn – nein, dieses Mal nicht, es gibt Beweise…

Letzte Woche hatten wir einen Bordbesuch der besonderen Art, so einen, den man nicht so schnell vergisst. Die Barzan gehört zu unseren Stammschiffen im Hafen von Le Havre. Sie haben Le Havre, seit ich hier Dienst tue, auf ihrer Linie, bevor sie nach Asien fahren bzw. auf dem Rückweg. Es handelt sich um eine sehr diverse Crew: viele Filipinos, und dann noch Syrer, Ägypter, Polen, Ukrainer und Pakistani. Sie freuen sich immer über Besuch aus der Seemannsmission. Als wir im Mannschaftsraum zusammensaßen, wurde nach und nach klar: dieses Mal hatten sie eine ganz besonders spannende Geschichte im Gepäck:
lehavre barzan rettung

Sie fuhren gerade aus Indien ab, da bekamen sie am 27. Februar 2022 morgens um 3.30 einen Notruf der indischen Hafenkapitänerie aus einem indischen Hafen der besagte, bei einem griechischen Frachtschiff sei der Zweite Offizier über Bord gegangen. So begann ihre Rettungsodyssee genauso wie eines anderen Frachtschiffes, welches sich an der Suche beteiligte. Der polnische Kapitän der Barzan ließ die Koordinaten abfahren, um den in Not geratenen Seemann zu finden, während das andere Schiff schließlich abdrehte, um aufzugeben. Die Zeit schlich dahin, die Wahrscheinlichkeit den Mann zu finden und seine Überlebenswahrscheinlichkeit wich mit der Anzahl der Stunden, die die Suche andauerte…doch sie gaben nicht auf.

Um 17:00 Uhr schließlich konnten die Seeleute auf der Bridge mit dem Fernrohr etwas aufblitzen sehen, …und tatsächlich handelte es sich um den 31jährigen griechischen Offizier, der über Bord gegangen war. 15 lange Stunden - hatte er in den Wellen des Indischen Ozeans gedriftet. Um zu überleben, hatte er sich seiner Kleidung und Schuhe entledigt, denn die sogen sich voll und erschwerten ihm das an der Oberfläche bleiben.

Als sie ihm nahe genug waren, ließen sie Leine und einen Rettungsring über die Pilotentür runter. Erstaunlicherweise hatte der Seefahrer immer noch die Kraft, sich am Seil und schließlich im Rettungsring festzuhalten. Bei dem Mann war ein überaus beeindruckender Überlebenswille festzustellen. Da es eine Weile dauert, bis bei einem Containerschiff dieser Größe (400 m Länge und 21 Knoten), die Fahrt gedrosselt ist, konnten die Mitglieder der Barzan Crew ihn schließlich aus dem Ozean „fischen“.

lehavre barzan route
lehavre barzan anbord

Er bekam einen Overall, Kekse und trank 4 Liter Wasser, nicht in einem Zug, aber das Treiben an der Wasseroberfläche bei starker Sonneneinstrahlung hatte ihn dehydriert. Natürlich war er erschöpft, die Augen dick und blaugeschwollen und sprechen war gar nicht möglich. Seine Schiffsführung wurde informiert, dann wurde er vom Rettungsboot seines Schiffes abgeholt. Seine Crewkollegen gaben auf Nachfrage des Bootsmanns von der Barzan Crew keine Auskunft über die Ursache dieses „Ereignisses“. Sie verwiesen auf die Schiffsleitung. Diese Antwort ermöglicht viel Spielraum für Fantasien und Spekulationen…nach Meinung einiger könnte es einen Konflikt an Bord gegeben haben, der auf diese Weise versucht wurde zu lösen...die Fantasien hierzu überlassen wir gern der Leserschaft.

Fakt ist, dass es sich bei dieser Rettungsgeschichte um eine Hoffnungsstory handelt, auch der Bootsmann Aurelio hatte in seinen mehr als 30 Jahren zur See noch nie so etwas live miterlebt. Die jüngeren Filipinos, von denen gab es auf der Barzan einige, stimmt es zuversichtlich, dass selbst bei einem Unfall über Bord eine Überlebensmöglichkeit besteht.

Bei all den schlimmen Neuigkeiten, die die Presse seit Jahren überschattenden Themen wie Pandemie, Bürgerkrieg in Myanmar und Krieg in der Ukraine, war es uns ein Anliegen, dass die Menschen auf dem Festland auch mal eine wunderbare echte Geschichte von Seeleuten erfahren, die sehr anschaulich die Solidarität und Verbundenheit miteinander aufzeigt. Die Crew hat als Anerkennung für ihre außergewöhnliche Rettungsaktion auch ein Geschenk ihrer Reederei erhalten.

Für meinen Ehrenamtlichen Philippe und mich sind sie, die Crew von der Barzan, unsere Helden und das haben wir ihnen natürlich auch so gesagt. Ihnen zumindest die verbale Anerkennung gezollt, die sie verdienen…die Geschichte erhellte nicht nur unseren Tag, sondern klingt seitdem positiv in uns nach. Es ist schön zu wissen, dass in dieser großen Community von ca. 1,5 Mio. Seeleuten weltweit manchmal eben doch jedes einzelne Menschenleben zählt und zwar echt und ehrlich. Auch wenn es unbequem ist, einen von der Route abbringt und teuer, weil man ja mit dem Zeitplan in Verzug gerät…ein nachahmungswürdiges Beispiel von allen Seiten: der Reederei, dem polnischen Kapitän und der Crew.

Thank you, guys, for what you did & thank you so much for sharing, you are REAL HEROES! Euer Einsatz ist UNBEZAHLBAR!

Text: Seemannsdiakonin Silvie Boyd, Fotos: DSM Le Havre und Crew MV "Barzan"
 

duisburg samko abschiedDSM Duisburg

Diakonin Gitta Samko verlässt die Seemannsmission nach 18 Jahren

Ihr Büro ist aufgeräumt, die Abschiedsgeschenke sind im Kofferraum verstaut. Die Kollegen aus den Seemannsmissionsstationen von Amsterdam, Antwerpen und Emden waren zum Abschiedsempfang da. Nach 18 Jahren gibt die Diakonin Gitta Samko ihre Stelle beim Evangelischen Binnenschifferdienst auf, wo sie für die Duisburger Seemannsmission zuständig war. In einer ihrer letzten Mittagspausen sitzt sie auf einer Bank am Ruhrorter Leinpfad und blinzelt über das glitzernde Hafen-Wasser in die Frühlingssonne.

„Damals hatte ich von Tuten und Blasen keine Ahnung“, sagt sie lachend, wenn sie an ihre Anfänge im Februar 2004 denkt. Als frischgebackene Sozialarbeiterin trat sie eine halbe, befristete Stelle für die Frauen und Kinder der Binnenschiffer an. Später wechselte sie zur Seemannsmission. Seit 2018 hatte sie eine volle Stelle. Sie lernte die Tücken der Bordbesuche kennen, die schwankenden Planken und schaukelnden Jakobsleitern. Sie erlebte den Zeitdruck, das eng getaktete Leben an Bord zwischen Laden und Löschen, Warten und Schleusen. Sie kannte die zusammengewürfelten Mannschaften auf den Seeschiffen, sorgte für Arzttermine, Telefonkarten und kaufte auch mal schnell das Nötigste ein, wenn gerade an Bord alle Hände gebraucht wurden. „Die Kirche kommt zu den Menschen an Bord, weil die ja nicht zu uns kommen können. Und wir kommen unabhängig von Nationalität, Religion und Kultur“, sagt Samko.

Wenn die 15 Meter lange „Johann Hinrich Wichern“, das Kirchenboot, längsseits ging und die zierliche Gitta Samko in dicker Jacke und Mütze an Bord eines Binnenschiffes oder Küstenmotorschiffes kletterte, dann kam sie in norddeutscher Knappheit und aller Bescheidenheit. „Ich bin ja kein Seemann, ich kann nur fragen und zuhören, wo die Probleme liegen und dann sehen, was wir tun können“, sagt sie. Seeleute die monatelang keine Heuer gesehen haben, ukrainische Matrosen, deren Kontakt nach Hause ins Kriegsgebiet abgebrochen ist, russische Seeleute, deren Bankzugänge gesperrt sind. Es fällt Samko richtig schwer, ausgerechnet jetzt, mitten in der Krise, deren Auswirkungen im internationalen Geschäft der Transport-Schifffahrt sofort zu spüren sind, ihre Stelle zu wechseln. Aber es muss sein, auch wenn sie an allen Ecken fehlen wird. Sie stammt aus Osterholz-Scharmbeck im Bremer Umland, dort renoviert sie das Haus ihres Vaters, dass sie geerbt hat. Und dort hat sie sich eine neue Stelle gesucht, weil die Pendelei zwischen ihren beiden Lebensmittelpunkten allmählich zu anstrengend wurde. „Ich bin nicht mehr Mitte dreißig, wie damals als ich in Duisburg anfing“, schmunzelt sie. Ins Wasser gefallen ist sie bei ihren Klettertouren nie.

Sie wird im Haus der Kulturen in Osterholz-Scharmbeck sozialpädagogische Quartiersbetreuung für Frauen und Kinder machen. Und noch eine ganze Weile „ihre“ Binnenschifferfamilien und Seeleute vermissen. Wenn sie in Osterholz aufs Wasser will muss sie sich eine touristische Torfkahntour buchen. Ihre Moerser Stamm-Kneipen wird sie vermissen und dass man im Ruhrgebiet so nahe an der Vielfalt der Kulturangebote ist, die für sie Lebens-Elixier sind.

Ihr Highlight aus der Duisburger Zeit? „Ich durfte mal eine Woche mit einer russischen Mannschaft auf einem KüMo bis nach England mitfahren, um das Leben an Bord besser kennen zu lernen“, erzählt sie, „das war sehr lehrreich, aber ich musste dem Koch an Bord erst erklären, dass ich höchstens halb so viel essen kann, wie so ein russischer Zwei-Meter-Matrose.“

Was sie zum Abschied tröstet? „Meine Stelle wird zum Glück wieder besetzt“, sagt sie, „ich wünsche mir, dass da jemand hinkommt, der genauso viel Freude und Leidenschaft für diese Arbeit mitbringt, wie ich. Seemannsmission, dass muss man einfach wollen.“

Text: Sabine Merkelt-Rahm • Foto: Gerd Kling
  
 

DSM Lübeck

luebeck ostseereportDreh für den Ostseereport: Olaf Wöhlk (v.l.), Bärbel Reichelt, Dennis Wilms und Christina Goldbach.

Filmteam des NDR begleitet an Bord

Im Hafen sind die Crews der Schiffe oft Tausende Kilometer fern der Heimat. Um sie kümmern sich die Seemannsmissionen in den Häfen rund um die Welt. Ihre oft ehrenamtlich Mitarbeitenden sind sozusagen "Leuchttürme aus Fleisch und Blut". Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) besuchte die Deutsche Seemannsmission in Lübeck und begleitete ihre Leiterin Bärbel Reichelt einen Tag lang bei ihrer Arbeit. In der Sendung Ostseereport führt der Blick von den Leuchttürmen der Ostsee hin zur Deutschen Seemannsmission in Lübeck.

Hier klicken und Sendung ansehen (Externer Link)

Foto: DSM HL
  
 

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